Die AfD wird der große Gewinner der Landtagswahlen am kommenden Sonntag sein. Sie wird der Spielverderber sein, der ranzige Onkel, den man auf der Familienfeier am liebsten ignorieren würde, weil er einfach immer nur peinlich ist, herumrülpst und rassistische Witze reißt. Dabei ist es auch gleich, ob die AfD die SPD als zweitstärkste Kraft vom Thron stößt oder nicht. Das sind akademische Diskussionen, die höchstens TV-Journalisten interessieren. Viel spannender ist doch die Frage: Was wird die Politik tun?

Sie wird nichts tun. Sie wird herumnölen, man wird sich gegenseitig die Schuld zuschieben und sich vielleicht ein wenig mit Dreck bewerfen. Das war’s. Offenbar ist der Motivationsschmerz zur Veränderung noch nicht stark genung. Es juckt höchstens ein bisschen (NSU, Brandanschläge, rassistische Morde, Flüchtlingschaos, völlig überforderte Verwaltungen). Sarkasmus aus.

Diese fast autistische Blindheit, diese Unfähigkeit zur einsichtsgeleiteten Aktion findet man auch in Unternehmen. Dann nimmt man den Schmerz in der eigenen Organisation nicht wahr. „Es läuft doch!“ Die Zahlen sind vielleicht nicht die rosigsten, die Fluktuation war auch schon mal niedriger, aber im Großen und Ganzen: Daumen rauf. I like. Dabei brennt es vielleicht bereits lichterloh, die Molotow-Cocktails verlorener Kunden schlagen schon ein oder man leidet an internen, kleinen Sabotageakten. Aber wenn man sich damit befasst, dann im Rahmen einer Schulddebatte („Meier, das ist doch IHRE Abteilung!“).

Dabei müsste sich ein Unternehmen – oder eben auch die Politik – an diesem Punkt ehrlich machen. Und den Übersprung schaffen von einer Schulddebatte zur konstruktiven Frage „Und, was machen wir jetzt daraus?“ Eine solche konstruktive Fehlerkultur, nicht die althergebrachte, destruktive Beschämungskultur, ist Kernbestandteil von New Work. Erstens. Zweitens: Ein kluges Unternehmen – und eine kluge Politik – wird die Weisheit der Vielen nutzen, um nach Lösungen zu suchen. Nicht ein elitärer Führungskreis mit engem Horizont sollte Lösungen kreieren, sondern mindestens eine weitere Auswahl von Mitarbeitern – oder Bürgern – aller Bereiche. Denn die Leute an der Basis wissen meist besser als die im abgeschotteten Zentrum, was rundherum los ist. Danach kommt dann der Praxistest und die Überprüfung.

Also: Wie besiegt man die AfD? Gar nicht. Man entzieht ihr die Wählerschaft, indem man solide Politik macht. Das bedeutet: 1. Beenden der Schulddebatte und der hilflosen „Warum“-Fragen. 2. Wahrnehmen und Akzeptieren der echten Schmerzen in der eigenen Organisation. 3. Die unbedingte, glaubwürdige Bereitschaft der Führungsspitze, neue Wege zu gehen. 4. Eine heterogene Mischung an Lösungsträgern aufbauen und die Weisheit der Vielen nutzen.

Und für uns alle gilt: Wählen gehen.

Photo © Henriette Hansen | Freeimages.com

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