Alles ist Kung Fu

1984 trat ein angstäugiger Teenie-Hänfling gegen einen skrupellosen, durchtrainierten Fiesling an. Nur seinen weißhaarigen, japanischen Mentor Pat Morita hatte er an der Seite und einen klagenden Panflöten-Soundtrack. „Karate Kid“ hieß der Kinostreifen und machte aus dem Hauptdarsteller Ralf Macchio so etwas wie einen Teeniestar. Natürlich gewann er das finale Filmduell, und Bruce Lee als Ahnherr aller Martial Arts – Filme konnte wieder in Frieden ruhen.

Vom Sinn des Sinnlosen

Da Hollywood jedoch alles recycelt, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist, kam 2010 natürlich eine Neuauflage heraus, diesmal mit Jaden Smith als Kung Fu-Schüler und Jackie Chan als Mentor. Was soll ich sagen? Es war wirklich ein unterirdisch schlechtes Remake – bis auf eine Ausnahme. Wie im Original muss der Kung Fu – Schüler eine Geduldsprobe überstehen, eine an sich sinnlose Tätigkeit bis zum Überdruss ausführen. Im Original war es das Streichen eines endlosen Zaunes, im Remake das Aufhängen einer Jacke. Smith ist irgendwann total genervt vom Aufhängen seiner Jacke, bis er fragt: „Und wann lerne ich endlich Kung Fu?“ Worauf Chan erwidert: „Alles ist Kung Fu.“

Sinn durch Haltung

Auch in Unternehmen gibt es sie: sinnlose, geisttötende Tätigkeiten, die man leider machen muss. Aber man kann ihnen nicht entfliehen. Warum also nicht eine neue Haltung entwickeln und diese Dinge besonders sorgfältig und bewusst angehen? Der Buddhismus kennt das Sprichwort: „Wenn dich eine Sache nach zwei Minuten langweilt: Mach’ sie vier Minuten. Wenn sie dich nach vier Minuten immer noch langweilt: Mach’ sie acht Minuten.“ Sie wissen, worauf das hinausläuft. Entweder Sie entwickeln eine neue Haltung zu dieser Aufgabe oder Sie drehen irgendwann durch. Deswegen ist es unter Umständen angebracht, nicht groß nach dem Sinn zu fragen, sondern eine Sache sorgfältig und mit Liebe zu erledigen. Alles ist Kung Fu.

Haltung durch Disziplin

Manche fragen sich nun vielleicht: Wo bleibt denn da der vielgerühmte Sinn, das „New Work“? Die Antwort lautet schlicht: Alles ist Kung Fu, aber nicht alles ist ein Wunschkonzert, besonders nicht im Beruf. Daher sind eine „Kung Fu – Haltung“ und das Verwirklichen sinnvoller Tätigkeiten zwei Seiten derselben Medaille. Das erste trainiert Disziplin, das zweite Kreativität. Probieren Sie es aus. Wenn Ihnen Ihr Gartenzaun (bzw. das Meeting!) mal wieder sehr lang erscheint oder Ihnen die Jacke runterfällt, denken Sie daran: Alles ist Kung Fu.

P.S. Als Schmankerl gibt es hier nochmal Ralph Macchios Moment der Erleuchtung:

Photo © Sonja Mildner | Freeimages.com

 

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