Aus Fehlern lernen ist auch nur die halbe Miete

Denksportaufgabe: Zählen Sie in 30 Sekunden möglichst viele Dinge auf, die Sie gut können oder auf die Sie stolz sind….Fertig? Und jetzt zählen Sie in 30 Sekunden Dinge auf, die Sie schlecht machen, wo Sie Dinge in den Sand gesetzt haben oder die Ihnen heute noch die Schamesröte ins Gesicht treiben.

Was fällt Ihnen leichter? Ich hoffe, die erstere Übung. Damit würden Sie zu den glücklichen Menschen gehören, deren Augenmerk auf ihren Stärken liegt bzw. deren Selbstbild einigermaßen stabil ist.

Bei den meisten meiner Coaching-Klienten ist das leider nicht der Fall. Sie erinnern viel besser eigene Fehler und Dinge, die schiefgegangen sind. Dafür braucht es noch nicht einmal eine pessimistische Persönlichkeit. Warum? Das Lernen aus Fehlern ist ein wichtiges Prinzip der Evolution. Früher, als das Leben in der Höhle noch rau und frostig war, konnte von einer Fehlentscheidung unser Leben abhängen. Daher verwendet die Natur viel Gehirnschmalz darauf, Fehler zu analysieren, damit sie nicht nochmals gemacht werden. Darüberhinaus wird die Suche nach den eigenen Fehlern kulturell gefördert. In der Schule werden Fehler quasi zum Negativ-Fetisch erhoben. 80 richitg geschriebene Wörter im Diktat sind unwichtig. Die komplette Aufmerksamkeit und Diskussion dreht sich um die restlichen fünf, die falsch geschrieben wurden.

Um ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln, aber auch zum Beispiel um den Job zu finden, der uns langfristig glücklich macht, weil er zu unseren Talenten passt, müssen wir ein zweites Prinzip anwenden: das Lernen aus Erfolg. Wir müssen uns fragen: Was hat für mich in der Vergangenheit funktioniert? Worin bin ich beweisbar gut? Welche Situationen, Menschen und Aufgaben passen zu mir? Auch dieses Prinzip kommt ursprünglich aus der Evolution; die Natur testet und verfeinert ihre Schöpfung immer weiter. Wir Menschen müssen uns diese Lernleistung jedoch wieder neu und individuell erarbeiten. Wir sind  aufgrund unserer kulturellen Prägung nicht gewohnt, eigene Erfolge zu analysieren. Mehr noch: Oft weigern wir uns, sie überhaupt zur Kenntnis zu nehmen.

Das merke ich zum Beispiel oft in Karriere-Coachings. Da hat jemand nicht nur einen, sondern zwei akademische Abschlüsse, einschlägige Berufserfahrung und beherrscht mehrere Sprachen. Er selbst sieht sich jedoch als „unterdurchschnittlich“, als „sprunghaft“ mit einem „Patchwork-Lebenslauf, auf den Personaler doch nicht stehen, oder?“. Da heißt es erstmal: Dem Klienten helfen, die Fehler-Brille abzunehmen und mal die Erfolgsbrille aufzusetzen. Da geht es um simplen Selbstbild-Fremdbild-Abgleich.

Übrigens machen es viele erfolgreiche Menschen genauso: Sie schauen sich andere erfolgreiche Menschen an, was bei denen funktioniert und versuchen es zu kopieren und schließlich besser zu machen. Der Unterschied zwischen erfolglosen und erfolgreichen Menschen ist meist nicht das Talent. Sondern a) der Blocker im Kopf, der sofort die Fehler-Schiene fährt und warnt: „Das schaffst du sowieso nicht. Ich kann dir hier und jetzt 15 Fehler von dir aufzählen. Das, was du vorhast, wird bestimmt Fehler Nr. 16.“ Und b) die fehlende Routine, das fehlende Machen. Bevor beispielsweise ich selbst mein Buch geschrieben habe, hatte ich bereits Artikel für Zeitungen verfasst, Blog-Artikel geschrieben, Kommentare in anderen Blogs gepostet, sogar gedichtet etc. Hauptsache: Machen.

Daher will ich Ihnen Mut machen, die „Fehler-Brille“ abzunehmen und die „Erfolgsbrille“ aufzusetzen. Denken Sie jeden Tag nur fünf Minuten darüber nach, was bei Ihnen funktioniert, auf welchen Gebieten Sie Stärken haben. Dort lohnt es sich, Arbeit zu intensivieren, Möglichkeiten zu erforschen und zu lernen. Gewöhnen Sie sich an, in Chancen zu denken und dass Sie Dinge gestalten können. Denn wir lernen eben nicht nur aus Fehlern, sondern auch aus Erfolg.

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Quedenbaum
Gast

Ich habe den Tipp mit der Brille mal wörtlich genommen, und meine Coachingkunden gebeten eine echte glaslose Brille, die es ermöglicht, die eigenen Stärken gut zu sehen. Ich war überrascht, wie gut dieses Mittel wirkt und meine Kundin animiert. Mittlerweile habe ich mehrere Brillen zu unterschiedlichen Themen. Danke für den Impuls.

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