Berliner Chaostage

So, jetzt ist er also weg, der Chef des LaGeSo in Berlin. Gott sei Dank, der Schuldige ist gefunden. Jetzt können wir befreit lächeln und mit gutem Gewissen wieder an die Arbeit gehen. Denn sicher sind dadurch die Probleme des Berliner Flüchtlingskollapses gelöst – oder etwa nicht? Hm. Um mit Louis de Funes zu sprechen: „Nein! Doch! Oh!“

Ob Herr Allert nun ein brillanter Verwaltungsmann ist oder inkompetent – ich weiß es nicht, ich kenne ihn nicht persönlich. Was ich weiß, ist, dass ein öffentlicher (!) Rauswurf in dieser Situation eine Reißleine ist, die gezogen wird, wahrscheinlich ein Bauernopfer, ein symbolischer Stier, den man zur Schlachtung freigibt. Anna Reimann vom SPIEGEL bezeichnet Berlin in dieser Hinsicht gar als „Failed Stadt“, als ein komplexes soziales Gefüge, das so gar nichts auf die Reihe kriegt: weder den Flughafen, noch die Flüchtlingskrise, die maroden Schulen, die Verwaltung oder das Management der Großbaustellen.

Von außen wirkt Berlin wie ein komplexes Konstrukt, das dem Zusammenbruch entgegentreibt. Oberflächlich gleicht es einem Ameisenhaufen, aber im Ameisenhaufen hat, auch wenn die Ameisen durcheinanderwuseln, alles seine Ordnung, sein System, seinen Platz. In Berlin scheint nichts eine Ordnung oder ein System zu haben.

Und genau darum geht es: Ein flexibles, komplexes Problem wie das Bewältigen der Flüchtlingsherausforderung ist mit den Mitteln des „Systems Verwaltung“ nicht zu lösen. Verwaltung bedeutet Starrheit, Fixiertheit, Unflexibilität. In Normalzeiten ist das gut und richtig so, aber jetzt nicht. Die Zeiten sind nicht normal. Verwaltung bedeutet: Das System hat die Verantwortung. Wenn die Herausforderung aber nicht zum System passt und die Herausforderung übermächtig wird, scheitert das System. Das passiert nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland. Das System versagt und ein Alternativ-System springt an: die ehrenamtlichen Helfer. Flexibel, improvisationsfähig, mit Ressourcen ausgestattet.

Mit den bisherigen Mitteln wird das Chaos in Berlin weitergehen. Das ist unvermeidlich. Nicht Franz Allert ist das Problem, sondern das Wesen der Verwaltung. Im Grunde müsste die Verwaltung sich selbst außer Kraft setzen und fragen: Mit welchen Mitteln können wir flexibler, improvisationsfähiger, reaktionsschneller werden? Ganz bestimmt nicht, indem man freiwilligen Helfern das Leben schwer macht. Doch ein solcher Paradigmenwechsel kann nicht verordnet werden; er muss zuerst in den Köpfen der maßgeblichen Berliner Verwaltungsköpfe stattfinden. Dass das passiert, bezweifle ich.

Photo © Arnau Galofré | freeimages.com

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