Bühne frei! Das Coach-Bashing ist eröffnet!

Regelmäßige Leser meines Blogs wissen, dass ich selbst durchaus schonmal mit meiner eigenen Coaching-Zunft hart ins Gericht gehe. Auch zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingunen von Coaching als Broterwerb habe ich mich bereits früher geäußert. Ein bisschen Selbstkritik hat noch keiner (jungen, aufstrebenden) Branche geschadet.

In den letzten Wochen allerdings nimmt das öffentliche Bashing auf die Coaches massiv zu. An vorderster Front steht hier die ZEIT (was mich persönlich betrübt, ist sie doch mein Leib- und Magenblatt). In dem Artikel „Viel Scharlatane, wenig Hilfe“ werden Coaches als quasi durchweg gierige, inkompetente, geltungssüchtige Stümper abgeschrieben, die wie weiland die Quacksalber armen Menschen mit dubiosen Tricks das Geld aus der Tasche ziehen, nur um sie hinterher emotional abstürzen zu lassen. An einem  – zugegeben sehr fragwürdigem – Coaching-Vorgang fächert der Artikel das ganze Elend der Branche auf. Das alles gehe zulasten der ahnungslosen, unschuldigen Klienten, die den barbarischen Raubzügen der Coaches schutzlos ausgeliefert sind. Das hört sich dann so an:

So wie die Bankerin, die ahnungslos einen Knebelvertrag über fünf Coaching-Stunden unterschrieb, für 17.000 Euro. Oder die Qualitätsbeauftragte eines Medizintechnik-Unternehmens, die ein 5000 Euro teures Coaching buchte, um ihre Probleme mit einer jüngeren Vorgesetzten zu lösen. Doch statt Hilfe zu bekommen, wurde sie mit Mutmaßungen darüber konfrontiert, ob sie eher „spröde Jungfrau“ oder „Sexbestie“ sei.

Touche. Jetzt haben sie uns aber erwischt. Auch in meinen Coachings benutze ich das Tool der sexuellen Beleidigung quasi täglich. Wie jeder vernünftige Coach in Deutschland. (Vorsicht, Ironie!)

Mal im Ernst: Was für eine gequirlte Kacke ist denn das? Nur weil hier ein triebgestauter Möchtegern-Therapeut durchdreht, benutzt man diesen extremen Einzelfall, um eine ganze Branche ins Zwielicht zu rücken. Überspitzung und Dramatisierung ist ein gerechtfertigtes Stilmittel der journalistischen Arbeit, doch es gibt Artikel, die übers Ziel hinausschießen. Dieser ist einer von der Sorte.

Um mal das Gute im Schlechten zu entdecken: Für mich ist das Bashing ein Zeichen, das Coaching in der Mitte der Gesellschaft ankommt. Wenn die Mainstream-Presse sich des Themas annimmt, heißt das, Coaching als Methode erreicht nun eine größere Öffentlichkeit. Und das ist bei aller Zersplitterung der Szene und aller fragwürdigen Gelichter-Gestalten positiv. Denn Resonanz erzeugt soziale Kontrolle. Je schneller ein Bewusstsein für Coaching geschaffen wird, desto schneller können die Leute Coaching auch qualitativ beurteilen. Und gute Coaches setzen sich allemal durch.

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Kerstin Boll
10 Jahre zuvor

Hallo Herr Väth, schlechte Nachrichten sind interessanter. Sie verkaufen sich einfach besser. Das ist alles. Der Coaching-Branche ergeht es in diesem Punkt nicht schlechter als jeder anderen. In der PR ist es ebenso. Die Presse schreibt regelmäßig von „Spin Doctors“ und anderen bösen Buben, nie aber von den vielen PR-Leuten, die jeden Tag versuchen, einen guten Job zu machen. Den Wald hat’s übrigens auch erwischt. Habe ich gestern bei Arte gesehen. Das Waldsterben hat es demnach nie gegeben, aber von der Entwarnung hat man nie was gehört. Die Unternehmer können sich auch angesprochen fühlen, und die Unternehmesberater, und die Wirtschaftsprüfer,… Weiterlesen »

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Seit Anfang 2020 bin ich Geschäftsführender Gesellschafter der humanfy GmbH und habe meine geschäftlichen Aktivitäten dorthin verlagert.

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