Burnout in Helferberufen

Wann haben Sie zuletzt etwas für andere getan? Irgendwas? Kann etwas Großes sein (Niere spenden), aber ruhig auch etwas Kleines (ein Lächeln schenken). Denken Sie einen Moment drüber nach. Fällt Ihnen etwas ein? Sehr gut. Ein gutes Gefühl, nicht wahr? Das Bewusstsein, etwas Gutes getan zu haben. Könnte man sich daran gewöhnen.

Bei Menschen, die sich zu sehr daran gewöhnen, spricht man manchmal vom „Helfer-Syndrom“: Man kann sich nicht mehr richtig abgrenzen, vergisst das eigene Wohl, steckt zurück zugunst anderer Menschen. Reibt sich auf in Beruf und Privatleben, geht heroisch unter als Held in der Schlacht um das ruhigste Gewissen.

Der SPIEGEL beschäftigt sich im Moment mit diesem Thema, genauer gesagt mit Burnout in Helferberufen. Ärzte, Pflegepersonal, Krankenschwestern haben einen Hang zum Burnout. Aber auch Lehrer, Sozialpädagogen und Therapeuten sind anfällig dafür. Helfertypen geben der Gesellschaft, was sie unbedingt braucht: Leistung ohne angemessene Bezahlung, das Auffüllen des Defizits an Mitleid, Selbstlosigkeit und Zeit. Die Kehrseite: Ein Helfer kann abhängig werden vom Geben. Paradox? Nur auf den ersten Blick. Der Helfer bekommt ja Anerkennung für seine Tat. Und er fühlt sich gut, weniger als Opfer, mehr als heroischer Held, der in der Aufopferung seinen Welbstwert sucht.

Pech für ihn, dass sein Verhalten ein Ticket ohne Rückfahrkarte ist. Die meisten Helfer mit Burnout landen auf der Müllkippe des Arbeitsmarktes, ausgebrannt, nicht mehr gewollt und müssen selbst mühsam ins Leben zurückkrabbeln. Nur um wieder „draufzukommen“, an die Nadel der Droge „Anerkennung“. Denn vom umglänzten, aufopferungsbereiten Helden zum abgestürzten Wrack ist es nur ein kleiner Schritt.

P.S.

Am deutschen Gesundheitssystem sieht man sehr gut, dass man Liebe und Zuwendung nicht monetarisieren kann. Die immer neuen bürokratischen Schikanen, denen Pfleger, Ärzte und andere Helfer unterliegen, kann nur als perverser Fetisch verstanden werden. Als Versuch eines kranken Systems, auch noch das letzte Streicheln eines Heimpatienten in Euro abrechnen zu wollen. Hier haben wir als Gesellschaft und kapitalistisches System versagt.

Es gibt Werte, die sind unverhandelbar: das Tötungsverbot beispielsweise oder die Würde des Menschen. Im Gesundheitssystem ist diese Würde an eine Grenze angelangt, die alle Beteiligten leiden lässt: den Patienten bzw. Heimbewohner einerseits und die Helfer (Ärzte, Reha-Kräfte, Pfleger, Schwestern) andererseits. Der massenhafte Burnout in Helferberufen ist nur eine – besonders dunkle – Seite in diesem Drama.

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