Christoph Waltz, deutsche Kultur und die Zukunft von New Work

Bild einer Schiffsbrücke

Diese Woche bin ich auf ein witziges YouTube-Video gestoßen. Der unnachahmliche Christoph Waltz saß beim amerikanischen Late Night – Talker Conan O’Brien und sollte ihm den Unterschied zwischen Deutschland und Österreich erklären.

„Der Unterschied zwischen Deutschland und Österreich“, so Waltz nach kurzem Nachdenken, sei „wie der zwischen einem Kriegsschiff und einem Walzer“. Deutsche seien in ihrer Herangehensweise direkt, ehrlich bis zur Brutalität, immer mit dem Ziel im Blick (also mit wenig Sinn für Details abseits ihrer Fahrschneise) und maximal effizient. Österreicher dagegen legten mehr Wert auf das Verspielte, die Kommunikation. Waltz stellt ironisch fest, Österreicher seien „ausgesucht höflich – sie meinen es nur nicht ehrlich.“ Sein Land habe bereits neun Nobelpreisträger für Literatur hervorgebracht und damit die Kunst der vielschichtigen Kommunikation unter Beweis gestellt.

Deutschland – reif für ein kulturelles Update?

Ich glaube, diese Verspieltheit, das Schauen auf Dinge abseits des Weges, das Loslassen des Effizienz-Fetischs ist etwas, das auch für New Work notwendig ist. New Work bedeutet in der Umsetzung immer auch: Unsicheres ausprobieren, Diskussionen mit unterschielidchsten Parteien führen, kommunikative Anstrengungen, mehrdeutige Situationen mit unklarer Entscheidungslage. Die deutschen Eigenarten der starken Sachbezogenheit, der kommunikativen Verknappung und des Effizienzdenkens haben sich in der Vergangenheit wirtschaftlich durchaus bewährt, werden uns für die Gestaltung der Zukunft jedoch alleine nicht weiterhelfen. Oder wie es Prof. Peter Hawkins ausdrückt: „What brought us here through the last 30 years, won’t bring us on the next 30 years.“

New Work muss ein Thema der Gesellschaft werden

Insofern müssen wir kulturell den Blick weiten und nicht nur in der Dimension von Organisationen denken, sondern auch länderspzifische kulturelle Eigenheiten berücksichtigen, wenn wir New Work umsetzen wollen. Daher ist es absolut notwendig, New Work nicht nur als neue Form der Organisationsentwicklung darzustellen, sondern als neue Form der Arbeitsexistenz auch gesellschaftlich zu diskutieren. Für Deutschland könnte das zum Beispiel durch folgende Initiativen geschehen:

  • So wie man in Städten und Gemeinden Versammlungen für Bauvorhaben oder die neue Hunde-Verordnung abhält, sollte man  auch für New Work kommunale Plattformen zum Austausch schaffen.
  • In allen Bundes- und Landesministerien sollte es ein – möglichst selbst nach New Work organisiertes – Team bzw. eine Abteilung geben, die sich mit New Work mindestens wohlwollend befasst, wenn nicht sogar aktiv vorantreibt.
  • Es sollte eine deutschsprachige Zeitschrift geben, die sich mit New Work befasst, mit aktuellen Trends beschäftigt, wertvolle Literatur präsentiert und Erfolgsgeschichten schildert.
  • Relevante Denker und Institutionen sollten einen „atmenden“ Wissens- und Ausbildungskanon schaffen, der möglichst viele New Work – Strömungen, Methoden und Philosophien umfasst.
  • Es sollte ausgebildete New Work – Berater geben, die sich keiner speziellen Schule verpflichet fühlen, sondern die breites Wissen und Unsetzungskompetenzen haben, sehr gut vernetzt sind und sich als ergebnisoffener Begleiter von Organisationen verstehen.
  • New Work sollte mindestens Wahlfach in weiterführenden Schulen sein bzw. in die Didaktik aller Schulformen jenseits der Grundschule Einzug halten.

Deutschland sollte neuen Kurs setzen

Ein Öltanker braucht sechszehn Kilometer, um aus voller Fahrt auf Stopp herunterzubremsen. Der kulturelle Wandel in Deutschland wird mindestens genauso langwierig. Aber wie heißt es so schön: Steter Tropfen höhlt den Stein. Und schon jetzt gibt es vielversprechende Initiativen, Think Tanks, New Work – Unternehmen und Vordenker, die sich daran machen, den Öltanker nicht zu stoppen, sondern auf neuen Kurs zu setzen. Nutzen wir also den Innovationswillen Einiger, um die Verbesserungen für Viele vorzubereiten. Und wenn es um Kommunikation geht, helfen uns ja vielleicht die Österreicher. 🙂

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