Consulting goes Plattform-Ökonomie

Letzte Woche war ich zu Gast bei der Veranstaltung #NextChampions in Köln. Dort diskutierten unter Schlagworten wie HR, New Work, Digital oder Marketing über 500 Teilnehmer die Zukunft der Arbeit. Ich persönlich hielt dort einen Spontanvortrag zu meinem Buch Beraterdämmerung und saß anschließend auf dem dazugehörigen Podium, zusammen mit Marc Stoffel (haufe-Umantis), den Consultants Alexander und Sabine Kluge und Marc Wagner, Managaing Partner der Unternehmensberatung DETECON.

Eine meiner Thesen ist ja, dass sich große Beratungsfirmen zurückschneiden werden, weil die Kunden keinen Bock mehr haben, den Overhead an Verwaltung etc. zu zahlen. Außerdem denke ich, dass Unternehmen irgendwann interne Spezialisten vorhalten, die entscheiden, wie ein Projekt vorangeht und dass man nicht unbedingt dreißig Beratertage dafür braucht (wie vielleicht von einer Beratung vorgeschlagen). Will sagen: Große Beratungen (mehr noch als kleine Klitschen oder Freelancer) haben ja immer den Druck, ihre Tage zu verkaufen, damit das Backoffice und die schicken Büros finanziert werden können. Das weiß auch der Kunde und ich glaube, er macht das nicht mehr lange mit. Was also tun?

Eine Möglichkeit für Unternehmen wäre, Plattformen anzuzapfen – für Consultants, Coaches und so weiter. So etwas gibt es ja schon lange im Ingenieurs- und IT-Bereich. Für Coaches macht das ja zum Beispiel XING: Die haben einfach geschaut, wieviele Mitgleider sich bei ihnen Coach nennen, alle in eine separate Datenbank gepackt und daraus dann im Marketing „Deutschlands größte Coach-Datenbank“ gemacht. Auch ’ne Möglichkeit. Ich kriege da immer noch alle zwei Wochen oder so einen Anruf oder ein Pop-Up eingeblendet, dass ich da jetzt tolle Features kriege für eine Gebühr, aber ich persönlich habe da keine Lust drauf. Aber nebenbei haben die damit so ziemlich alle anderen Coaching-Plattformen in die Irrelevanz verbannt. Womit wir bei zwei wichtigen Erkenntnissen wärem, was wiederum die Plattform-Ökonomie im Consulting-Bereich angeht:

  1. Die Konsolidierung setzt ein. Haufe hat schon letztes Jahr die Plattform KLAITON gekauft, und ab April machen Sie jetzt Haufe Advisory draus. XING hat gerade Honeypot geschluckt, eine Plattform für IT-Fachleute und stärkt damit seine Strategie im Recruiting-Sektor. Das bedeutet, was die Datenbanken für Brain- und Bodyleasing im Bereich Consulting angeht, ist gerade mächtig Bewegung im Spiel. Da sollte man zum Beispiel auch COMATCH, Flexyforce oder iAgility aus den USA im Auge behalten. (Eine ausführlichere Übersicht über Consulting-Plattformen gibt es hier.)
  2. Das Killer-Geschäftsmodell wird noch gesucht. Gibt es für Consulting-Plattformen eine Strategie jenseits von schierer Größe, die durch Zukäufe entsteht? Ich weiß es nicht. Das wäre halt der „Americen Way“: alles kaufen, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist, Datenbanken synchroniseren und durch die reine Gravitation der Plattform-Masse Kunden anziehen. Das funktioniert aber nur dann, wenn die Plattform Produkte oder Services bietet, die ich unbedingt haben will. Bei Amazon sind das Waren aller Art, bei Facebook sind es soziale Kontakte. Ist Consulting ein Service, den ich unbedingt haben will? Schon schwieriger. Consulting ist eine „erklärungsbedürftige Leistung“, der Markt haben niedrige Einstiegshürden und ein Nachweisproblem, wenn es um messbaren Erfolg geht. Insofern ist Gravitation bzw. Größe der Plattform ein Anfang, aber gerade im Consulting-Bereich wahrscheinlich nciht ausreichend.
  3. Die Akzeptanz bei Kunden ist ausbaufähig. Das behaupte ich jetzt einfach mal. Ich habe noch nie in einem Projekt bei Kunden mit Kollegen zusammengearbeitet, die über Consulting-Plattformen kamen. Da würde mich ehrlich interessieren, wie digital-affin zum Beispiel Mittelständler sind, wenn es darum geht, Consultants digital anzuwerben. Natürlich sehen die Consultants selbst Vorteile in diesem Modell (bessere Work-Life-Balance, man muss nicht zum Partner aufsteigen, wenn man nicht will etc.), aber ist das für den Kunden relevant, wenn sich der Consultant wohlfühlt? Das bisherige Nischendasein von Consulting-Plattformen, von dem ich ausgehe (wer anders informiert ist, möge sich bitte melden), rührt wahrscheinlich auch daher, dass eben das Killer-Geschäftsmodell fehlt oder dass die Plattformen keine gute Usability haben. Die Gründe müsste man sich genauer anschauen – oder dass Consulting eben doch ein „People Business“ ist, welches hochgradig auf persönlichen Empfehlungen beruht – und für die braucht man keine Plattformen.

Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass die Plattform-Ökonomie auch das Consulting-Geschäft revolutioneren wird. Das spielt ja auch den Unternehmen in die Hände, die erstens keinen Overhead zahlen wollen und zweitens sowieso alles, was sie können, flexibilisieren, eben um die Kosten zu drücken (Stichworte: Lean, Liquid Company). Aber wie gesagt, mir fehlt da noch das Killer-Feature, das den Markt ins Digitale kippen lässt.

P.S. Wenn Consultants hier mitlesen, die über solche Plattformen tatsächlich geworben werden, freue ich mich über Zuschriften, um möglichst vielseitigen Input zu diesem Thema zu bekommen.

P.P.S. Wer sich das Panel ansehen will, auf dem zur Zukunft des Consulting diskutiert wurde, kann sich das Ganze hier bei YouTube ansehen.

Sei der Erste, der diesen Beitrag teilt!

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei
X