Das Vater-Kind-Syndrom

Viele Burnout-Betroffene berichten von ihrer Angst, den Chef oder generell Menschen, die etwas von ihnen wollen, zu enttäuschen. Sie begründen das mit einer angeblich geforderten hohen Qualität der Arbeit, damit, dass andere das auch täten etc. In Coachings schälen sich auf einer tiefen Persönlichkeitsebene oft Sätze heraus wie: »Wenn ich andere Menschen enttäusche, verliere ich ihre Anerkennung (ihre Liebe).« Natürlich möchte jeder in seiner Arbeit gute Ergebnisse abliefern, egal ob er Fliesenleger oder Unternehmensberater ist.

Was ist jedoch der Unterschied zwischen einem ambitionierten Burnout-Betroffenen und einem Nicht-Burnout-Betroffenen? Das Heischen nach Anerkennung erfolgt bei einem Nicht-Burnout-Betroffenen tatsächlich auf der Ebene der erwachsenen Tätigkeit. Er bewahrt sich eine gewisse Unabhängigkeit vom Endergebnis seiner Arbeit. Mit anderen Worten: Wenn er versagt, geht die Welt nicht unter. Beim »echten« Burnout- Betroffenen schon. Denn sowohl die Sehnsucht nach Anerkennung als auch die Furcht vor Enttäuschung agieren auf einer tiefen, meist kindlichen Persönlichkeitsebene.

Äußerlich findet vielleicht gerade ein Beurteilungsgespräch zwischen Mitarbeiter und Chef statt. In Wirklichkeit sitzt jedoch ein kleiner Junge vor seinem Vater, den er nicht enttäuschen will, nicht enttäuschen darf, denn er hat gelernt, sich die Liebe seines Vaters zu erkaufen. Szenen seiner Kindheit stehen ihm manchmal – eher halbbewusst – vor Augen, in denen er noch einmal die Kränkungen erlebt, mit denen ihn sein Vater aus falsch praktizierter Liebe motivieren wollte.

20 oder 30 Jahre später sitzt derselbe Junge auf seinem Stuhl vor seinem Chef und hat immer noch eine Rechnung mit seinem Vater offen. Und versucht, sie in seinem Job zu begleichen. Eine Gleichung, die nie aufgehen kann. Soviel er auch ackert, er wird nie erlöst sein von dem Erwartungsdruck, den sein Vater aufgebaut hat. Da er das nicht weiß, greifen im Gespräch mit seinem Chef und im Arbeitsalltag die Reflexe seiner Kindheit: buckeln, sich reinstressen, noch mehr machen, super Qualität abliefern. Einzig, um das Phantom der Vaterliebe doch noch zu fangen und endlich erlöst zu werden aus diesem Teufelskreis. Endlich geliebt zu werden, ohne etwas leisten zu müssen.

Dieser Blogpost ist ein Auszug aus meinem Buch „Feierabend hab‘ ich, wenn ich tot bin. Warum wir im Burnout versinken„.

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Danny
Gast
Danny

Hallo,
Bin über das stöbern durchs Internet auf diesen schönen Artikel gestoßen. Das Thema betrift leider auch mich,aber auch viele andere die denn Dauerstress nicht einsehen wollen und denken es ist ganz normal. Das führe einsehen des Überganges von Stress zu Dauerstress bis hin zu einem Burnout sind fließend, deshalb sollten mann auf die frühen Zeichen achten wie: gedankliche Unruhe, Zeitmangel, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Ängsten etc.
Werde mir auf jeden Fall das Buch mal kaufen um zu schauen was es für noch hilfreichen Tipps gibt.

Falko
Gast

Ein echt spannendes Thema. Ich war auch ein solcher Arbeiter motiviert, ehrgeizig machte viele um auf der Arbeit beliebt zu sein und natürlich der Chefetage zu gefallen. Aber nach einiger zeit ging es nur noch Down und ich fragte mich: wo zu das ganze? Habe dann alles liegen gelassen und habe mit sogar professionelle Hilfe aufgesucht. Die haben mir dann schnell in mein Leben und meine Selbstverantwortung zurück geholfen. Jetzt Arbeite ich auch noch aber deutlich entspannter, lockerer und unternehme viel mit der Familie.
Gruß Falko

Thilo
Gast

Bei mir ist es auch kurz vor knapp gewesen. Ich hatte viel Stress in der Arbeit und habe meine Arbeit teilweise mit nach Hause genommen, um auch bloß alles fertig zu kriegen und den Chef wohl zu stimmen und habe auch noch etwas nebenberuflich gemacht. An einem Zeitpunkt wurde es einfach zu viel. Da hab ich dann alles fallen gelassen und habe mich wieder auf mich konzentriert. Ist nochmal gut gegangen. Ich habe auch schon oft drüber nachgedacht professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, nur habe ich bis jetzt den Mut nicht aufbringen können, da es doch etwas Überwindung kostet.

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