Der FOCUS bringt einen Burnout-Titel

Manchmal hat man Unrecht, dann sollte man es zugeben. Ich hatte anscheinend Unrecht mit einem früheren Posting und der These, dass Burnout für die Massenmedien „als Thema durch sei“. Denn der FOCUS bringt nun eine 12-seitige Titelstory über Burnout, recherchiert und geschrieben von Susanne Kailitz.

Und das Schöne daran: Jetzt gibt es nicht nur Tests und Tips für einzelne Menschen, sondern es wird – endlich – auch die Systemfrage gestellt. So wird der Arzt Jochen-Friedrich Buhrmann mit den Worten zitiert: „Ich soll Patienten fit machen für ein System, das sie krank werden lässt.“ Auch Soziologen kommen zu Wort, die etwas zum Verlust sozialer Kontrolle sagen oder darüber, dass bereits Babys in den Augen ihrer Eltern „performen“ sollen. Auch die Prozess- und Zergliederungswut von Arbeitsabläufen wird thematisiert: „Für beinahe jede Tätigkeit existieren Zeitvorgaben, an denen Controller und Optimierer im Namen der Effizienz herumschrauben. Arbeitnehmer [..] würden so jegiche Handlungsspielräume verlieren.“

Der Titel besteht insgesamt aus

  • einer mehrseitigen Titelstory (gut geschrieben und recherchiert)
  • einigen interessanten Grafiken (Arbeitsunfähigkeitstage, Umfragen)
  • einem Burnout-Test zur Selbsteinschätzung
  • einem ärztlichen 9-Punkte-Plan zur Regeneration
  • einer 8-Stufen-Strategie zur psychischen Regeneration von mir

In dem 9-Punkte-Plan und meiner 8-Stufen-Strategie doppeln sich einige Maßnahmen. Das ist natürlich; wie bei so vielen Dingen im Leben richtet sich das Nützliche nach dem gesunden Menschenverstand und ist keine „rocket science“.

Das Einzige, was mich stört, ist der Untertitel  meiner Sektion: „Wer ein paar einfache Regeln beachtet, kann sich vor Erschöpfungserkrankungen wie Burnout sehr gut schützen“. Nun ist Burnout-Prävention vieles, aber nicht einfach. Wenn es für den Einzlnen Menschen einfach wäre, hätten wir damit kein derartiges Massenproblem. Daher sage ich auch immer in meinen Vorträgen: „Burnout hat keine einfachen Ursachen und keine einfachen Lösungen.“ Aber es ist wahrscheinlich der – notwendigen – Simplifizierung der Medien geschuldet, dass sie eben so etwas haben wollen. Daher kann ich für meine 8-Stufen-Strategie sagen: Die Schritte klingen vielleicht einfach, sind es aber nicht. Einer  nach dem anderen erfordert persönliche Arbeit und Überwindung. Aber nur so geht’s.

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Frank
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Frank

Vielen Dank für den intensiven Fingerzeig auf das, worum es eigentlich geht: Um eine Art „gesellschaftlichen Systemfehler“. Und eben nicht (nur) um besseres Zeit- und Aufgabenmanagement. Und hier sehe ich die Pflicht nicht nur beim Arbeitgeber. Jeder Einzelne sollte seine Motive hinterfragen: Wozu mache ich z.B. Karriere? Was ist mein Ziel hinter diesem oder jenem Ziel? Was bedeuten mir Status und Geld? Was sonst ist mir im Leben wichtig? Familie? Unabhängingkeit? Idealismus? Viele Menschen fragen leider nicht nach den Zielen hinter einem Ziel und schlagen – ohne dass sie es wissen – einen für sie ungesunden Weg ein. Wenn ich… Weiterlesen »

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