Diese drei Denkfehler reißen die Commerzbank in den Abgrund

Bild einer Hand mit Kreditkarte

Nun also die Commerzbank. Von 51.000 Mitarbeitern sollen 9.600 entlassen werden, natürlich „sozialverträglich“. Soviel political correctness muss sein. Dass irgendwann, irgendwo 2.300 Stellen neu geschaffen werden sollen, ist dabei auch nur ein schwacher Trost. Und man fragt sich: Welcher externe Strategieberater hat da wohl CEO Zielke das Händchen gehalten? Denn aus der Mitte der Organisation dürfte ein solcher Plan schwerlich kommen. Überhaupt scheint das Kernproblem der Commerzbank neben den ungünstigen Marktbedingungen vor allem in falschen Denkmodellen und Denkfehlern zu liegen. Diese Denkfehler führen zu falschen Entscheidungen. Und falsche Entscheidungen kosten Geld.

Denkfehler 1: „Wir sparen als erstes beim Personal.“

Ein Unternehmen in der Krise sollte niemals als erste Maßnahme Mitarbeiter entlassen. Und zwar nicht aus Gründen der Sozialromantik, sondern aus Gründen einer rationalen Ethik – man beachte die Kombination. Die Commerzbank – und jedes andere Unternehmen, das in der Krise als erstes Leute entlässt – entlarvt damit eine gewisse kreative Armseligkeit und erklärt sich moralisch bankrott. Denn denselben Mitarbeitern, die gestern noch „wertgeschätzt“ und per Feelgood Manager drangsaliert wurden, wird nun die Fähigkeit abgesprochen, die Krise gemeinsam mit der Unternehmensführung zu lösen. Also: Entweder diese Mitarbeiter sind fähig; dann sollte man sie behalten. Oder sie sind unfähig; dann sollte man die Führungskraft entlassen, die sie eingestellt und verantwortlich für deren Entwicklung war.

Denkfehler 2: „Der Kunde muss sich nach uns richten. Und nicht umgekehrt.“

Wenn man der Presse Glauben schenken darf, will man die Mittelstandsbank als Teil der Commerzbank zerschlagen und die KMU-Kunden dem Privatkunden-Segment zuordnen. Hoppla, geht’s noch? Ein Firmenkunde hat eine völlig andere Denke und andere Bedürfnisse als ein Privatkunde. Bei ersterem stehen Investitionen und langfristige Perspektiven im Vordergrund, bei letzteren Konsum und kurzfristige Perspektiven. Dieser Plan ist ein Zeichen dafür, dass derjenige, der ihn ausgeheckt hat, nicht weiß, wie Unternehmen bzw. Unternehmenskunden einer Bank ticken. Und schließlich spielt auch noch der Stolz eine Rolle. Ein Unternehmer, ein Macher, will doch keinen Privatkundenprospekt nach Hause bekommen, der ihn auf günstige Zinsen beim Kauf einer Waschmaschine hinweist.

Denkfehler 3: „Mitarbeiter sind Maschinen mit Nahrungsbedarf.“

CEO Zielke will massiv in die IT-Infrastruktur investieren. Nicht gerade kreativ, aber löblich. Mittlerweile hat sich das Thema Digitalisierung ja bis zur letzten IHK-Kaffeefahrt in Wanne-Eickel herumgesprochen. Dass im Jahr 2016 jetzt auch bei einer der führenden Banken Deutschlands (wie lange noch?) entsprechend gehandelt wird, entlockt meinem Boden der Hoffnung ein zartes Pflänzchen. Verräterisch ist auch hier aber das Ausspielen der Mitarbeiter gegenüber der Maschine. Man brauche Geld für die IT-Aufrüstung, deshalb müsse man Menschen entlassen. Anstatt sich jedoch zusätzlich die Weisheit der vielen Mitarbeiter zunutze zu machen und gemeinsam zu fragen, wie man diese Menschen vielleicht für innovative Aufgaben einsetzen kann, sind Mitarbeiter in den Augen der Commerzbank – genau wie bei vielen anderen Unternehmen – Maschinen mit Nahrungsbedarf: irgendwann veraltet in Motivation und Fähigkeit, austauschbar, eben ein Tauschwert. So wie Teeziegel in Timbuktu.

Mitte 2007 war die Commerzbank an der Börse etwas 40 Mal soviel wert wie heute. Welch Ironie. So rächt sich der knallharte Kapitalismus an einer Bank, die sich durch Inhalieren eben jener Regeln dieses Kapitalismus gerade selsbt in den Abgrund reißt.

Sei der Erste, der diesen Beitrag teilt!

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei
X