Drei Gründe, warum die AfD scheitern wird

Die AfD geht mal wieder in die Vollen, spaltet sich in Baden-Württemberg und bewirft sich im Bundesvorstand mit Dreck. Ich persönlich empfinde dabei eine gewisse Befriedigung, da ich die AfD für eine fremdenfeindliche, völkisch gesinnte, populistische und rückwärtsgewandte Partei halte, die in einem deutschen Landtag oder gar im Bundestag nichts zu suchen hat.

Parteigründungen sind ein Akt der Selbstorganisation

Doch des Wählers Wille ist sein Himmelreich, und letztlich hat eine Nation die Parteien, die sie verdient. Von daher darf ich den Kelch weiterreichen an die selbsternannten „Protestwähler“, die so dumm waren, auf diese Rattenfänger hereinzufallen. Darüber ist schon genug getalkt und geschrieben worden, daher schließe ich somit diese Klammer.

Der Aufstieg (und Fall?) der AfD hat jedoch andere interessante Aspekte. Eine Parteigründung ist ja auch eine Art selbstorganisierender Prozess. Es gibt natürlich das Parteiengesetz und andere bürokratische Regelungen, doch im Kern geht es um einen Akt der Selbstorganisation. Doch wie bei einer Sonne, die entsteht, aber nicht stabil bleibt, sondern als Schwarzes Loch in sich zusammenstürzt, kann dabei viel schiefgehen. Wie man an der AfD hervorragend sezieren kann.

Die AfD wird scheitern – aus drei Gründen

1. Es gibt keine klare positive Vision

Die AfD hatte nie eine motivierende Vision. Sie ist eine Zerstörungspartei, eine „Dagegen“-Partei, eine Partei des selbsternannten „Widerstands“ gegen „die da oben“, „das System“ etc. Für eine echte Selsbtorganisation reicht jedoch diese destruktive Energie, diese „Weg von“ – Motivation nicht aus. Es braucht eine positiv besetzte, kraftvolle „Hin zu“ – Motivation. Diese fehlt der AfD völlig. Sie erstickt an miesepetrigem Gejammer, an Intrigen und dumpfer Grummelei. Das befördert natürlich die parteiinternen Fliehkräfte: Das „Dagegen“ der Partei in die politische Landschaft hinein wird irgendwann auf die „Feinde“ in der eigenen Partei angewandt. Auch wenn andere Parteien ebenfalls mal Mist bauen: Die positive Vision gehört in der Regel zu deren Gencode: Die SPD hat die soziale Gerechtigkeit, die FDP die Freiheit, die Grünen die Ökologie und so weiter. Eine solche Vision geht der AfD völlig ab.

2. Form doesn’t follow function

Das Zerstörende, das Destruktive steht natürlich einer Partei als Daseinsform diametral gegenüber. Parteien leben vom Kompromiss, von der Integration unterschiedlicher Sichtweisen. Die AfD zog von Beginn an die Besserwisser in ihren Bannkreis, die subjektiv (!) zu kurz Gekommenen, die unversöhnlichen Rechthaber. In Phase 1 waren das die „Professoren“ um Lucke, in Phase 2 sind das nun die völkisch orientierten, fremdenfeindlichen Populisten um Gauland und Höcke. Doch das System integriert nicht, es desintegriert – durch Abspaltungen, Ausgründungen oder schlicht persönliches Kaltstellen und Intrigieren. Dafür ist die Organisationsform Partei nicht gemacht.  Auf Dauer wird das System AfD zerfallen bzw. um einen politisch bedeutungslosen Kern kreisen – spätestens, wenn sich kein inner- oder außerparteiliches „Dagegen“ mehr bilden lässt. Anders formuliert: Würde die AfD sich ehrlich machen, wäre sie von ihrer Organisationsform her eher eine zellteilige Struktur – wie die Terrorbewegung RAF.

3. Das System verweigert sich seiner Umwelt

Jedes System lebt in Interaktion mit seiner Umwelt. Ein Mensch lebt in Interaktion mit seiner Familie, eine  Abteilung in Interaktion mit anderen Abteilungen, eine Land in Interaktion mit seinen Nachbarn. Eine solche Anpassung erfordert von einem System – oder eben einer Partei – eine Anpassungs- und Lernleistung. Das nennt der Volksmund Erfahrung. Die AfD verweigert sich diesem Lern- und Anpassungsprozess – aus der schon angesprochenen Dagegen-Haltung. Aber ein System ist ohne Interaktion mit seiner Umwelt nicht lebensfähig. Entweder die Umwelt stößt das System ab, oder das System überwältigt die Umwelt. In der Poltik nennt man das dann Putsch, Umsturz, Revolution. Und es gibt ja durchaus Unterströmungen in der AfD, die das System stürzen wollen: Reichsdeutsche, Identitäre, Neonazis und andere „besorgte Bürger“.

Fassen wir zusammen: Ein Akt der Selbstorganisation braucht ein klares Ziel und eine klare, positive Vision. Er muss weiterhin eine passende Organisationsform finden, die den Charakter und die Ziele des Systems unterstützt. Und schließlich muss das System fähig und willens sein, im Prozess der Selbstorganisation zu lernen und zu integrieren. All das gelingt der AfD nicht. Deshalb freue ich mich darauf, irgendwann sagen zu können: Friede ihrer Asche.

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