Geil auf Gefühl – nur nicht bei der Arbeit

Haben Sie auch das Video des kleinen portugiesischen Jungen gesehen? Der einen französischen Fan tröstet, nach der Niederlage Frankreichs bei der EM? Goldiger kleiner Kerl. Da schlagen Mütterherzen höher. Und nicht nur die. Auch Männerherzen sind bei dieser Gelegenheit ganz groß dabei. Geht es doch um die eine tragische, wundervolle, ekstatische Sache Fußball. Bei der sind Gefühle nämlich erlaubt. Schuft, der bei einer Niederlage seines Vereins – oder der Naitonallf keinen mentalen Trauerflor trägt.

Die Arbeitsstelle ist eine de-emotionalisierte Zone

Ganz anders im Beruf. Dort gelten Gefühle oft als störend, als unprofessionell, als etwas, das in Extraseminaren „gemanagt“ werden muss. Das bemühte Vehikel für Gefühle im Beruf ist – im Guten wie im Schlechten – die Frau, wieder einmal das unbekannte Wesen. Wird Gefühl zuviel, dichtet man der Frau Hysterie an. Zieht man mal wieder die Karte der „emotionalen Kompetenz“, spricht man von „weiblichen Qualitäten“, „weiblichem Führungsstil“, whatsoever.

Schräg das eine, schräg das andere. Die Projektion von Gefühlskompetenz auf „die Frau“ ist nichts anderes als der hilflose Versuch, die Tatsache des Gefühls auch im Beruf zu rationalisieren, dingfest und be“herr“schbar zu machen. Da liegt das Paradoxon schon im Wortspiel. Offiziell hat ein berufliches Umfeld immer noch emotional keimfrei und objektiv zu sein. Dass das nicht der Weisheit letzter Schluss ist, zeigt sich übrigens auch im krampfigen Phänomen der Feelgood-Manager, die mal so richtig für Stimmung sorgen sollen. Im Rahmen natürlich. Kontrollierte Offensive, wie der Kaiser so schön sagt.

Gefühle machen uns zum Menschen – auch in der Arbeit

Weil wir uns in der Arbeit emotional selbst kastrieren, reagieren wir unter anderem eruptiv auf jede sentimentale Gefühlsofferte, die uns das Internet präsentiert. Seien es tränenreiche Versöhnungen, die herrliche Chewbacca Mum oder eben die schlichte, rührende Umarmung eines Kindes. Endlich dürfen wir fühlen! Wie befreit man mitlacht, wie ehrlich man mitleidet, wie engagiert und stolz man sich plötzlich fühlt – je nach Charakter des soeben gelikten Facebook-Postings.

Liebe Leute: Lasst doch mal eure Feelgood-Manager, die Emotion-Management-Seminare und das gefrorene Business-Lächeln im Schrank. Seid echt! Vertrauen und Teamwork entstehen nicht von Business-Maske zu Business-Maske, sondern von Mensch zu Mensch. Mensch sein dürfen in der Arbeit, auch mit Gefühl: Dieses Selbstverständliche fordern zu müssen, sollte in unserer doch so aufgeklärten Zeit bedenklich stimmen.

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