Gibt es „systemisches“ Coaching überhaupt?

Das „systemische“ Coaching hat es im Moment nicht leicht. Erst zieht Viktor Lau in seinem Buch das Fazit, „systemisches“ Coaching sei „obskure Management-Esoterik“. Und nun erlaubt sich Waldemar Pelz, Professor an der hessischen THM Business School einen Angriff aus wissenschaftlicher Sicht auf diese Coaching-Spielart (PDF-Download des Artikels). Das ist insofern interessant, als Coaching-Vertreter – gleich welcher Couleur – immer wieder betonen, ihr Ansatz sei „wissenschaftlich fundiert“ und stütze sich auf Erkenntnisse der Psychologie, Soziologie, Biologie etc. Nun also die Nagelprobe.

Ich persönlich halte den Begriff „systemisches“ Coach generell für problematisch, weil er meiner Meinung nach keine eigene Coaching-Richtung vertritt. Jedes ernstzunehmende Coaching ist systemisch in der Hinsicht, dass es immer den Kontext des Klienten betrachten und berücksichtigen muss. Es gibt schlicht keine seriöse Psychologie, die das Außen zugunsten des Innen eines Menschen völlig vernachlässigen würde. Selbst Zweige wie die Psychoanalyse, die stark eine objektiv wenig nachprüfbare Innenwelt beleuchten und deren Konstrukte (Ich, Es, Verdrängung etc.) konzeptionelle Unklarheit eher fördern als beseitigen, anerkennen die Rolle des sozialen Umfelds und der Situation des Klienten (man denke beispielsweise an den psychoanalytischen Mechanismus der „Identifikation mit dem Aggressor“).

Pelz kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass „auch alle anderen (’nicht-systemischen‘) Coaching-Konzepte die Situation des Coachees in seinem Umfeld (Kontext) einbeziehen.“ Doch im Gegensatz zur Grundlagen-Literatur aus anderen Disziplinen (Luhmannsche Systemtheorie, Kybernetik etc.) scheinen die Autoren „systemischer“ Coaching-Literatur wenig sorgfältig vorzugehen. Bezüglich der Gedankenwelt Luhmanns ist die „System-Umwelt-Differenz [..] das konstitutive Element seiner Theorie selbstreferentieller Systeme. Diesen  Aspekt findet man in keinem ’systemischen Ansatz‘ der Coaching-Literatur“.

Vielmehr flüchteten Vertreter des „systemischen“ Coachings in einen wissenschaftlich verbrämten Pseudo-Jargon mit „akademisch anmutenden Wortschöpfungen“, „semantischen Verfremdungen oder Erweiterungen alltagssprachlicher Begriffe“ oder würden gebetsmühlenartig banale Äußerungen wiederholen, die auf „Optimierung oder Verbesserung hinwiesen“. Wolfgang Pelz zitiert als Beleg unter anderem ein aktuelles Buch von Thomas Webers, „Systemisches Coaching“, und kommt zu dem Schluss: „Es handelt sich um eine Vortäuschung von Fachbegriffen oder ein Beispiel für einen typischen esoterischen Jargon.“

Ich habe das Werk von Webers nicht gelesen und kann diese Aussage weder unterstützen noch verneinen. Aber das Pelz’sche Statement steht in meinen Augen für einen Widerspruch, der sich durch das gesamte Thema „Systemisches Coaching“ zieht. Für mich persönlich sind Menschen wie Thomas Webers oder auch Bernd Schmid (den Pelz ebenfalls zerpflückt) ausgewiesene Experten. Herr Webers ist ein erfahrener Psychologe und war jahrelang Chefredakteur des angesehenen  „Coaching-Magazins“. Auch in den Schriften, die ich von Bernd Schmid kenne, steht viel Vernünftiges drin. Dennoch kann ich auch Herrn Pelz teilweise folgen, der aus streng wissenschaftlicher Sichtweise argumentiert. Wer hat nun recht? Pelz mit seinem Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit und der „Esoterisierung“ von Coaching? Oder systemische Vertreter wie Webers oder Schmid, die bewusst Wort-Neuschöpfungen einsetzen, um bestimmte Dinge zu definieren?

Pelz jedenfalls kommt zu einem harten Urteil: „Die gebetsmühlenartig behauptete Fundierung der ’systemischen Beratung‘ in komplexen natur- oder sozialwissenschaftlichen Theorien erweist sich in der Praxis als Lug und Trug [..]. Schlimmer noch: Systemisches Coaching kann man nur als Täuschungsversuch gutgläubiger Laien interpretieren, die durch das Psychotherapeutengesetzt geschützt werden sollen. [..] Das kann man nicht anders als (unseriöse) Scharlatanerie bezeichnen.“

Wie oben erwähnt, halte auch ich einen eigenen Zweig des „systemischen Coachings“ weder für notwendig noch ausreichend theoriegestützt. ABER: Wir brauchen den systemischen Gedanken im Coaching, heute dringender als je zuvor. Das große Verdienst der systemischen Vertreter ist es, immer wieder Komplexität, gegenseitige soziale Abhängigkeit und das Durchbrechen allzu simpler Ursache-Wirkungs-Ketten zu thematisieren. Mein große Hoffnung ist, dass in fünf oder zehn Jahren die psychologisch-soziologische Forschung einerseits und das systemische Denken im Coaching andererseits zueinanderfinden – auch in den von Pelz so arg kritisierten sprachlichen und konzeptionellen Definitionen. Lasst uns doch einfach gemeinsam daran arbeiten!

P.S. Einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema finden Sie auch bei meiner Kollegin Svenja Hofert.

Photo © Carl Gauss | freeimages.com

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14 Gedanken zu „Gibt es „systemisches“ Coaching überhaupt?

  1. Seit Freud wird ernsthaft diskutiert ob denn die Psychologie eine Wissenschaft sei oder nicht. Dem Coaching wird immer wieder der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit abgesprochen. Die mit am häufigsten eingesetzte Coachingmethode NLP wird diffamiert, Hypnotherapeutische Arbeit galt lange als Scharlatanerie, Systemische Aufstellungen als suspekt etc. etc.
    Jetzt ist das „Systemische Coaching dran
    Da es keinen Konsens gibt, was systemisches Coaching überhaupt ist, bzw. welche Methoden und Konzepte dazu gehören stellt sich schon die Frage, wieso hier etwas verurteilt wird, was es als eigenständige Form ja angeblich gar nicht gibt!
    Verdient ein „Modebegriff“ (Wikipedia) wirklich diese Aufmerksamkeit?
    Ich möchte auf diese angeblich wissenschaftlichen Einwände nicht näher eingehen und mir kein Urteil über die Qualität verschiedener Coachingkonzepte anmaßen. Vielmehr möchte pragmatisch argumentieren.
    Es gibt eine große Fülle von Coachingmethoden und Techniken, die häufig sowohl auf altbewährten oder auch neuen Therapieverfahren beruhen. Tatsächlich unterscheiden sich diese Methoden vom theoretischen Ansatz her ganz erheblich.
    Das reicht von Methoden aus der Tiefenpsychologie, Ideen aus der Linguistik oder der Kybernetik bis hin zu Erkenntnissen aus den Verhaltens- oder Neurowissenschaften. Manche Ansätze werden materialistisch, phänomenologisch oder konstruktiv, objektivistisch oder subjektivistisch begründet. Und ja, es gibt natürlich auch spirituelle Ansätze und Einflüsse.
    Aber das systemische Coaching generell als „esoterische, Scharlatanerie“ zu bezeichnen, das ist starker Tobak. Für mich ist das herabsetzende, unseriöse Polemik – und völlig unnötig.Sachlich fundierte Kritik klingt ganz anders. Constantin Sander sich hat in seinem Kommentar klar dazu geäußert und ich kann mich dem nur anschließen.
    Zurück zur pragmatischen Unterscheidung:
    Es gibt sehr wohl klare Merkmale für „systemische Coachingmethoden. Und einige wurden in Väths Artikel und in Sanders Kommentar ja auch benannt.
    Und insofern kann man auch von einer eigenständigen Richtung sprechen, die allerdings noch etwas spezifischer definiert werden sollte.
    Meine Antwort zur Titelfrage: Ja, es gibt systemisches Coaching
    Mehr zum Thema habe ich im Artikel: „Systemisches Coaching: Mode Masche oder Methode?“ publiziert.

  2. Lieber Markus Väth,
    ich denke nicht, dass Coaching immer systemisch ist und tw. ist das von Auftraggebern auch gar nicht gewünscht: „Führungskraft A funktioniert nicht richtig. Coachen Sie den mal zurecht.“ Keine Seltenheit. Und es gibt sicher genügend Kollegen, die sich darauf einlassen. Ich würde allerdings zustimmen, dass ein gutes Coaching immer systemisch arbeitet.
    Was den Beitrag von Herrn Pelz betrifft, finde ich darin keine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit systemischem Coaching, sondern ein wissenschaftlich verkleidete Polemik. Das merkt man u.a. daran, dass er sich wahllos Textzitate herauspickt, einer Hypothese gegenüberstellt und die Aussagen dann zerpflückt. Das ist keine Auseinandersetzung mit dem Sinnzusammenhang, sondern eine bewusste Entstellung dessen.
    Pelz hängt sich an fehlenden Definitionen und fehlenden Nennungen von Begrifflichkeiten in der wissenschaftlichen Literatur auf. Das klingt für mich ungefähr wie: Wenn wir keinen Namen dafür haben und es nicht in ein bestehendes wissenschaftliches Konzept passt, dann ist es unseriös. Ich halte es da eher mit Popper und frage: Welchen wissenschaftlichen Ansätzen widerspricht denn systemisches Coaching? Soll er es doch bitte falsifizieren.
    Pelz bemängelt weiter, dass es kein stringentes Theoriegebilde für das systemische Coaching gibt. Das stimmt, ist aber auch nicht verwunderlich, da es ja auch kein einheitliches Theoriegebilde in der systemischen Theorie gibt. Da gibt es Luhmann, da gibt es die Konstruktivisten, Heinz von Foerster, Maturana …
    Wissenschaftliche Theorien sind Krücken, um die Welt zu erklären, sie sind aber nicht die Welt. Und mit dem Ziel, Ideen und Modelle zu utilisieren, muss es erlaubt sein, sich aus hilfreichen Modellen zu bedienen. Das macht jeder Arzt, jeder Handwerker. Und jeder Coach.
    Herzliche Grüße
    Constantin Sander

    1. ich denke nicht, dass Coaching immer systemisch ist und tw. ist das von Auftraggebern auch gar nicht gewünscht: „Führungskraft A funktioniert nicht richtig. Coachen Sie den mal zurecht.“ Keine Seltenheit. Und es gibt sicher genügend Kollegen, die sich darauf einlassen.

      Das ist sicher richtig, aber ich persönlich hoffe, dass die Menge dieser Coaches entsprechend klein ist – und immer kleiner wird.

      Das ist keine Auseinandersetzung mit dem Sinnzusammenhang, sondern eine bewusste Entstellung dessen.

      Den Eindruck hatte ich stellenweise auch. In der Bibel wäre sein Text wohl in der Kategorie „Rache-Psalm“. 🙂

      Pelz bemängelt weiter, dass es kein stringentes Theoriegebilde für das systemische Coaching gibt. Das stimmt, ist aber auch nicht verwunderlich, da es ja auch kein einheitliches Theoriegebilde in der systemischen Theorie gibt. Da gibt es Luhmann, da gibt es die Konstruktivisten, Heinz von Foerster, Maturana …

      Ich glaube, was Pelz im Grunde vermisst, ist ein sichtbarer Wille der Systemiker zur Integration der systemischen „Mini-Theorien“ – und da kann ich ihm folgen. Beispielsweise in der Physik gibt es diesen sichtbaren Willen zur Integration von Theorien: Man entdeckt etwas Neues und versucht, es mit bereits Bestehendem abzugleichen (Widerspricht die Existenz des Higgs-Boson-Teilchens der Einsteinschen Relativitätstheorie oder bestätigt sie sie? Solche Sachen eben).

      Mich persönlich stört es ebenfalls, dass sich Coaching aus ganz vielen „Mini-Theorien“ zusammensetzt, ein Flickenteppich, den man mal so, mal so benutzt. Da suche auch ich noch die große (theoretische) Linie. Vielleicht könnten Herr Pelz und die Systemiker aufeinander zugehen, indem Pelz etwas die Luft rauslässt und sich die Systemiker im Gegenzug auf den Weg der Integration und Verdichtung ihres Gegenstands machen.

      1. Danke für Ihre Anmerkungen, Herr Väth. Wenn Herr Pelz eine Wissenschaftlichkeit hinter dem systemischen Coaching vermisst, dann liegt das vielleicht auch daran, dass es eben wie viele andere Coachingmethoden, sich diese Frage der Wissenschaftlichkeit gar nicht wirklich stellt. Hier und da gibt es Anleihen aus der Systemtheorie, aber im Großen und Ganzen bedient sich das systemische Coaching eben bestimmter Haltungen und Kommunikationsformaten, die man getrost zur Heuristik zählen kann. Ich habe extrem gut Erfahrungen mit systemischen Methoden gemacht. Die Perspektivenerweiterung und die Schaffung neuer Lösungsräume werden von Klienten immer wieder als sehr hilfreich empfunden. Ich brauche da keine zugrundeliegende, geschlossenen Theorie. Interessanterweise funktioniert Kommunikation auch ohne Theorie.

        Jetzt mal so aus dem Stegreif, sind für mich folgende Aspekte im Coaching kennzeichnend für eine systemische Arbeitsweise:
        • Kausalitäten sind die Ausnahme, zirkuläre Prozesse sind die Regel in lernenden Systemen. Es macht daher auch wenig Sinn, monokausale Ursachenforschung zu betreiben.
        • Realität ist eine Frage der betrachtenden Perspektive. Es ist die Aufgabe des Coaches, dem Klienten neue Perspektiven zu öffnen.
        • Die Idee der Objektivität lebt von der Illusion, dass es Betrachtungen ohne Betrachter geben kann (n. Heinz von Foerster). Ich als Coach muss daher auch nicht beurteilen was gut und richtig ist.
        • Systeme bestehen primär nicht aus Elementen, sondern aus Kommunikation. D.h. ich muss die Richtung und Art der Kommunikation betrachten, wenn ich Systeme verstehen will.
        • Jede Veränderung im System wirkt sich auf die Elemente und deren Kommunikation aus. Es ist daher unerlässlich im Coaching eben diese Veränderungen zu antizipieren.
        • Reaktionen auf Input lassen sich in lernenden Systemen nicht berechnen wie in trivialen Systemen. Im Coaching ist es daher immer der Klient, der entscheidet, ob eine Intervention nützlich war oder nicht.
        • Lernende Systeme wenden Energie auf zur Erhaltung ihrer Selbst. Jede Veränderung, die eben diese Selbsterhaltung bedrohen könnte, erzeugt im System Widerstand. Coaches sollten wissen, wie man mit diesem „Widerstand“ konstruktiv umgeht.

        Das sind nur einige Aspekte, die mir so gerade gefallen sind. Und man findet sie irgendwo auch in der Literatur. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Ich glaube nicht, dass das grundsätzlich kennzeichnend für Coaching im Allgemeinen ist.

        Wenn Herrn Pelz wirklich an einer wissenschaftlichen Würdigung des systemischen Coachings interessiert wäre, dann hätte er kennzeichnende Elemente der Methode herausarbeiten und versuchen können, die zentralen Aussagen und Methoden empirisch zu widerlegen. Da wäre ich dann sehr gespannt.

        Interessant auch, dass er sich am kommerzielle Interesse von Schmid und anderen hochzieht. Hört, hört. Wie ich sehe, betreibt er selbst ein Beratungsinstitut. Wer im Glashaus sitzt, …

      2. Hut ab vor Ihrem Kommentar, Herr Sander. Haben Sie nicht Lust, auf Ihrem Blog eine kleine, derartige Replik auf Herrn Pelz zu schreiben? Das käme vielleicht gerade aus der richtigen Ecke…

  3. Lieber Markus Väth,

    als Systemiker aus Leidenschaft möchte ich gerne meine Sichtweise als Ergänzung zu Ihrem sehr interessanten Beitrag hinzufügen.
    Ich bin der Meinung, „systemisches“ Coaching beinhaltet sehr viel mehr als den Einbezug des Contextes des Kunden. Dann würde ich Ihnen völlig Recht geben mit der Hypothese, dass es kein explizites systemisches Coaching braucht.
    Systemisches Coaching drückt sich für mich vor allem durch zwei Punkte aus:
    Der erste ist die methodische Anleitung für das Entwickeln anderer Sichtweisen auf das eigene „Problem“, auf die eigene Situation. Es geht darum, (Be-)Wertungen zu verändern, Schubladen aufzumachen und die eigene Sichtweise zu hinterfragen. Das bieten sicher andere Coaching Methoden auch, aber beim systemischen Coaching wird das eingebettet in den zweiten Punkt:
    Die systemische Haltung und Sichtweise des Konstruktivismus.
    Das bedeutet, dass es im systemischen Coaching nicht oder weniger um konkrete Handlungsschritte und Anleitungen geht, sondern darum, mit Unterstützung des Coaches neue Wahrnehmungen der Situation zu entwickeln und dadurch das eigene Handeln und die Situation neu zu konstruieren.
    Der Coachingbegriff ist eh wenig beschrieben bzw. definiert, deshalb kann es natürlich sein, dass viele andere Modelle diese Richtung auch vertreten. Sie ist aber klar systemischen Ursprungs.

    Noch eine weitere Bemerkung möchte ich mir erlauben zu der Äußerung von Herrn Pelz: Coaching fällt ausdrücklich NICHT unter das Psychotherapeutengesetz und kann deshalb dadurch auch nicht geschützt werden.

    Nochmals vielen Dank.

    Liebe Grüße
    Hans-Jürgen Lahann

    1. Hallo Herr Lahann,

      danke für Ihren Kommentar. Wenn ich Sie richtig verstehe, zeichnet sich Systemisches Coaching aus durch

      – Perspektivwechsel (die eigene Situation aus anderen Blickwinkeln betrachten) und
      – einer konstruktivistischen Haltung (die Welt „ist“, wie ich sie interpretiere)

      Ich bin – wie gesagt – auch ein Freund des Systemischen, kann aber in diesen zwei Punkten dennoch keine Eigenständigkeit des „systemischen“ Coachings erkennen. Der Perspektivwechsel findet sich als Basis meiner Meinung nach auch in anderen Coaching-Strömungen und die konstruktivistische Grundhaltung ist mittlerweile doch eher eine „Binsenweisheit“, die je nach Bedarf enger oder weiter gefasst wird.

      Spannend wäre für mich daher zum Beispiel folgende Frage: Wie definiert Systemisches Coaching, was „eigenkonstruiert“ ist und was „objektiv“, d.h. „intersubjektiv nachvollziehbar“? Das würde mich von der Theorie her sehr interessieren, ich habe aber noch keine Literatur gefunden, die mir da weiterhelfen würde. Wissen Sie das was?

      Herzliche Grüße,
      Markus Väth

      1. Hallo Herr Väth,

        vielen Dank für Ihre Antwort zu meinen Gedanken. Offensichtlich habe ich es noch nicht genau genug ausgedrückt, worin ich den Unterschied sehe, denn so wie Sie die beiden Punkte zusammen fassen, kann ich Ihnen nur zustimmen darin, das diese Bausteine auch in vielen anderen Coaching Modellen Einzug gehalten haben (ist vielleicht inzwischen jedes Coaching systemisch?!).

        Ich will es mal anders versuchen (vielleicht habe ich ja auch eine falsche / andere Vorstellung von „nicht systemischen“ Coaching?).
        Aus meiner Sicht geht es im „nicht systemischen“ Coaching häufig um die Vermittlung von (neuen) Kompetenzen. Ich stehe vor einem Problem, weil mir gerade die Kompetenzen zur Lösung des Problems fehlen. Ich gehe zu einem Coach, der vermittelt mir die nötigen Kompetenzen und ich kann mit der Anwendung der neuen Kompetenzen mein Problem lösen. Soweit meine sicherlich vereinfachte Sicht von Coaching.

        Das systemische Coaching setzt aus meiner Sicht nicht auf die Vermittlung von (neuen) Kompetenzen, sondern der Coach macht deutlich, das das vom Kunden erlebte „Problem“ nichts anderes ist als die von ihm konstruierte Wirklichkeit. Durch „Verstörung“ dieser Konstruktion wird dann die Möglichkeit einer neuen Wirklichkeitskonstruktion möglich, ohne dass ich als Coach leitend eingreife und die neue Sichtweise aktiv vermittel.
        Ich kann es nicht besser beschreiben, aber darin würde ich grob skizziert und sehr vereinfacht den Unterschied sehen.

        Was Ihre Frage betrifft, was im Systemischen Coaching „eigenkonstruiert“ ist und was „objektiv“ ist bzw. als solches betrachtet wird, kann ich Ihnen leider auch keine Literatur nennen. Aber nach meiner Definition ist im systemischen Coaching alles eigenkonstruiert… Gibt es eine andere „Wirklichkeit“ als die, die ich erschaffe?

        Liebe Grüße
        Hans-Jürgen Lahann

      2. Das systemische Coaching setzt aus meiner Sicht nicht auf die Vermittlung von (neuen) Kompetenzen, sondern der Coach macht deutlich, das das vom Kunden erlebte „Problem“ nichts anderes ist als die von ihm konstruierte Wirklichkeit. Durch „Verstörung“ dieser Konstruktion wird dann die Möglichkeit einer neuen Wirklichkeitskonstruktion möglich, ohne dass ich als Coach leitend eingreife und die neue Sichtweise aktiv vermittel.

        Okay, jetzt verstehe ich’s besser. Wobei für mich der Akt des Verstehens noch nicht automaitsch eine „Lösung“ gebiert. Insofern schließen sich für mich Systemik und Kompetenzvermittlung gar nicht aus.

        Was Ihre Frage betrifft, was im Systemischen Coaching „eigenkonstruiert“ ist und was „objektiv“ ist bzw. als solches betrachtet wird, kann ich Ihnen leider auch keine Literatur nennen. Aber nach meiner Definition ist im systemischen Coaching alles eigenkonstruiert… Gibt es eine andere „Wirklichkeit“ als die, die ich erschaffe?

        Es spielt sich wahrscheinlich alles auf dem Kontinuum subjektiv – intersubjektiv – objektiv ab. Wo man die Grenze zieht, ist eher Geschmacksfrage denke ich. Aber der Wikipedia-Artikel ist ganz interessant.

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