Gier, Erpressung, rauhe Sitten – die hässliche Wirklichkeit der Autobranche

Bild eines VW Käfers in der Werkstatt

Nun also ein millionenschwerer Zuliefererstreit um gekündigte Verträge und nicht gelieferte Teile. VW kommt nicht zur Ruhe. Und auch wenn sich VW nun mit der Prevent-Gruppe geeinigt hat: Der Streit ist ein wichtiges Signal. Endlich wird ein wenig die Decke gelüftet über den Verhältnissen, die für die Autobranche typisch sind: komplexe  Abhängigkeiten, ungleiche Machtverhältnisse, Gier, Erpressung und das Fehlen von Anstand und Sitte.

Autozulieferer reiten ständig auf der Rasierklinge

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Autozulieferer von Jahr zu Jahr schlimmer von den großen Autoherstellern ausgepresst werden. Einkäufer der großen Hersteller sollen Einsparungsziele von jährlich bis zu 3 % oder mehr verwirklichen, die sie den Zulieferern abpressen müssen. Im Klartext heißt das: Liefert uns immer bessere Qualität zu immer geringeren Kosten. Dass das langfristig schiefgehen muss, kann sich jedes Kind ausrechnen. Doch manche Zulieferer, die einen Großteil ihres Geschäfts mit nur einem oder zwei Kunden machen, müssen dieses schändliche Spiel mitspielen – oder sie sind raus und können ihren Laden zumachen. Manche Einkäufer gehen in Lieferantengesprächen auch zu offener Erpressung über, so wird dann das eigene Einfamilienhaus finanziert. Zulieferer reiten daher ständig auf der Rasierklinge des Verlusts und arbeiten in der Regel mit einer sehr geringen Marge. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.

Macht ohne Verantwortung richtet Verwüstung an

Die ungleichen Machtverhältnisse zwischen den Autokonzernen und ihren Zulieferern sind ein perfektes Beispiel dafür, was passiert, wenn man Macht ohne Verantwortungsbewusstsein auslebt. Macht korrumpiert und die Habgier übernimmt das Ruder. Hauptsache Profit. Ob die Teile-Qualität leidet oder der Zulieferer vielleicht pleitegeht: egal, solange nur die eigene Marge stimmt. Das Beste am aktuellen Streit zwischen VW und Prevent ist dessen Eskalation. Damit wir über die Verantwortung von Autobauern reden, die sich immer weniger als Produzenten und immer mehr als Logistiker und Marketing-Maschine verstehen. Damit sich vielleicht andere Zulieferer auch auf die Hinterbeine stellen und beim russischen Roulette der ruinösen Zulieferpreise nicht mehr mitspielen.

Versöhnung nach der Logik von Bürgerkriegen

Will man das Verhältnis von Autobauern und Zulieferern auf gesunde Füße stellen, muss man der Logik von Post-Bürgerkriegsgesellschaften folgen. Die Verheerungen haben das gegenseitige Vertrauen vollständig zerstört. Es gibt eine sehr schwierige Vergangenheit, aber ein gemeinsames Zukunftsziel (das ökonomische Überleben). Diese Gemengelage kann man mit rein rationalen Verhandlungsrunden nicht mehr lösen. Es braucht vielmehr Rituale und Prozesse der Versöhnung. Außerdem sollte man verstärkt moralisches Verhalten lehren, denn auch für Profit gibt es eine Grenze. Im daraus folgenden  „ethischen Kapitalismus“ liegt die Zukunft unseres Wirtschaftssystems. In grauer Vorzeit nannte man dies das Prinzip des „ehrlichen Kaufmanns“, welches im Neoliberalismus leider vergessen und für den Shareholder Value verkauft wurde.

New Work beschreitet den Weg des ethischen Kapitalismus

Der New Work – Begründer Bergmann propagiert seit Beginn seiner Bewegung einen „Dritten Weg“, einen modifizierten Kapitalismus, weder neoliberal noch salonkommunistisch. Der Kapitalismus hat fraglos seine guten Seiten. Nur die entfesselte, perverse Spielart aus Gier, gegenseitiger Erpressung und unverantwortlichem, kurzsichtigem Handeln muss man deutlich verurteilen. Insofern ist der aktuelle Konflikt zwischen VW und Prevent ein Lehrstück des alten Kapitalismus und vielleicht die Chance auf die Verwirklichung eines neuen. Mit den Werten, die New Work propagiert: Mut, Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein.

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