In meiner Kindheit wollte ich ein Held sein. Ich glaube, das geht vielen Jungs so. Ich rettete hübsche Mädchen aus brennenden Gebäuden, bekämpfte das Böse und gab dem fiesen Ninja-Meister im entscheidenden Duell ordentlich eine aufs Maul. Alles natürlich in meiner Vorstellung. Bis auf den Ninja-Meister. Es war eine schöne Zeit, und in der Halle der unbekannten, aber allzeit bereiten Superhelden prangte mein Name in fetten Lettern.

Heute ist man nicht mehr Held. Der Beruf ist genauso ausgestorben wie exotische Handwerksberufe oder der Filmvorführer im Kino. Kürzlich fragte die ZEIT, warum die männlichen Begleiter der sexuell belästigten Frauen am Kölner Hauptbahnhof nicht gekämpft hätten für ihre Frauen. Warum sich „Mann“ ncht mehr auf „Beschützer“ reimt – im übertragenen Sinne. Mit dem diskursiven Ergebnis, Frauen fänden das Beschützerhafte „lächerlich“ und von einem Paternalismus, den der Feminismus doch so erfolgreich überwunden habe. Wie traurig, meint der Held in mir.

Denn Helden sind nicht nur keine Helden mehr. Sie sterben. Allein meine persönliche Heldenliste für 2016 ist schon jetzt lang: Larry Kinister (Motörhead), Maurice White (Earth, Wind & Fire), Paul Kantner (Jefferson Airplane), Ettore Scola (Regisseur), Yatutaro Koide (ältester Mann der Welt), Glenn Frey (Eagles), Dan Haggerty („Der Mann in den Bergen“), Alan Rickman („Harry Potter“), David Bowie, Pierre Boulez (Komponist), Achmim Mentzel (Entertainer; ja, auch der!). Sie und viele andere lösen das Ticket in meine persönliche Helden-Walhalla. Als ob sie das Unheroische unserer Zeit spüren und sich irritiert abwenden.

Ich glaube, jede Zeit braucht ihre Helden. Und ich glaube, jeder kann ein Held sein. Helden steigen nicht nur auf den Mount Everest oder überwinden glühende Wüsten. Helden machen den Mund auf, wenn es nötig ist, sprechen Ungerechtigkeiten an, auch auf eigenes Risiko. Jeder Mensch spürt, wann es Zeit wäre, ein Held zu sein. Doch nur wenige haben den Mut, im Alltag ein Held zu werden.

Wann haben Sie zuletzt den Kollegen verteidigt, der gemobbt wird? Wann haben Sie zuletzt den Chef kritisiert, weil er wieder jemanden im Meeting angeschrien und beleidigt hat? Wann haben Sie zuletzt auf Facebook in eine Diskussion eingegriffen, in der rassistisch gehetzt und gepöbelt wurde?

Es gibt genug Arbeit für Helden. Und es wird Zeit. Heldenzeit.

Photo © Christopher Bruno | freeimages.com

Sei der Erste, der diesen Beitrag teilt!

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei

MasterclasS Organisations-coaching

Zwei Tage mit Markus Väth - innovativ und inspirierend.

07./08. Februar | Nürnberg | Möbelkollektiv
21./22. Februar | Hamburg | Ministry Group
05./06. März | Berlin | TAM-Akademie

X