Können Konzerne New Work?

Bild dreier Business-Tower

Ich bin diese Woche gefragt worden, ob New Work etwas für Konzerne wäre, ob Konzerne und New Work überhaupt zusammenpassen. Behäbige Hierarchie und Matrix-Organisation auf der einen Seite, flüssige Strukturen und Selbstverantwortung auf der anderen. Finden hier zwei Welten zusammen?

In Konzernen trennt sich Geld von Verantwortung

Ich halte es tatsächlich für äußerst schwierig, New Work in Konzerne zu bringen – aber das hat gar nichts mit Strukturen oder Organisation zu tun. Sondern mit dem Verhältnis von Geld und Verantwortung. Vereinfacht gesagt: Je weniger die Leute, die das Geld haben und die Leute, die New Work vorantreiben wollen, identisch sind, desto geringer sind die Chancen, New Work im Unternehmen umzusetzen. Und in Konzernen sind die Geldgeber (Aktionäre, Fonds, einflussreiche Geldgeber) letztlich überhaupt nicht identisch mit den Managern, die die wichtigen Entscheidungen treffen. Manager verwalten somit das Geld anderer Leute – und nicht ihr eigenes. Schlimmer noch: Wenn sie das Unternehmen verlassen, erwartet sie nicht selten der Goldene Handschlag. Warum also die Dinge nicht lassen, wie sie sind? Warum Neues oder Unplanbares riskieren?

Der Mittelstand riskiert eigenes Geld – und geht bewusster ins Risiko

Im Mittelstand sieht es etwas anders aus. Hier sind die Eigentümerstrukturen einfacher. Oft hat eine Familie das Sagen oder es gibt einige wenige Gesellschafter, die stark darüber mitentscheiden, was im Unternehmen geschieht und wie man die vorhandenen Mittel einsetzt. Das vereinfacht die Dinge auch für New Work – positiv wie negativ. Sind die Eigentümer entschlossen, New Work zu versuchen, kann es ganz schnell und konsequent vorangehen. Sind sie dagegen, beißt man auf Granit. Doch so oder so treffen mittelständische Unternehmen tendenziell eine durchdachtere, realistischere Einschätzung ihrer New Work – Situation und der Chancen und Risiken, die sich daraus ergeben. Einfach, weil sie ihr eigenes Geld riskieren und nicht das gesichtsloser Aktionäre.

New Work muss bei Konzernen über Bande spielen

New Work in Konzernen erfordert das Wohlwollen und das Einverständnis der Geldgeber. Letztlich entscheidet nicht der Bereichsleiter über New Work, nicht einmal der CEO, sondern die wichtigen Aktionäre und kreditgebenden Banken. Diese muss man gewinnen, und das geht nicht innerhalb einer Firmenpräsentation oder eines Vortrags, sondern mit langem Atem und einer kommunikativen Strategie. New Worker sollten sich daher mit den medialen und persönlichen Influencern innerhalb der Aktionäre und Banken vernetzen und den New Work – Gedanken langfristig populär machen. Denn der Weg zum Hirn des Konzern-Managers geht über den Geldbeutel des Aktionärs.

Das Hirn (und Herz) des Managements kann New Work noch so positiv gegenüberstehen. Wenn die Geldgeber kein grünes Licht geben oder gar nichts von den Möglichkeiten von New Work wissen, bleiben sämtliche Anstrengungen, Konzerne von New Work zu überzeugen, unbelohnt.

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