“Mein Name ist Leitbild, Unternehmensleitbild”

In unserem heutigen Wort zum Mittwoch, liebe Leser, geht es um ein lange missverstandenes Kind: das Unternehmensleitbild. So missverstanden, dass man ihm sogar mehrere Namen gegeben hat: Unternehmensleitbild, „Mission Statement“, „Corporate Policy“ und andere, möglichst anglizistische Begriffe. (Derjenige, der weiß, wie die Chinesen dieses Kind nennen, bekommt ein Eis.)

Wie auch immer, dieses Kind gibt es fast in jedem Unternehmen. Meistens hockt es in der Ecke und schmollt. Schonmal, weil es keinen interessiert. Verbraucht nur Ressourcen (Papier, Nerven) und produziert nichts (Geld, Kunden, Image). Nur wenn die bösen Onkel von der Presse oder der Steuerfahndung kommen, wird es herausgeputzt und stolz präsentiert. Dann kann es strahlen, macht ein paar süße Verrenkungen und läuft zur Hochform auf. Dann sagen die Eltern, dass das Unternehmensleitbild, äh, das Kind das beste, tollste ist, schon so groß und was es alles kann.

Das Kind namens Unternehmensleitbild erinnert mich ein bisschen an James Bond. Wenn der gerade nichts zu tun hat, hockt er eben auch in einer Bar in Havanna, kippt ein paar Drinks und schaut den Senoritas hinterher. Die große Knarre lässt er stecken. Bis M anruft.

Das Unternehmensleitbild dauert mich. Es lebt ein Leben der verpassten Chancen. Schreit ständig: Habt mich lieb, ich bin sinnvoll, strotze vor Ethik und mache das Leben leichter und legaler. Es wird jedoch in die Ecke gestellt und mit fadenscheinigen Begründungen beruhigt. Wieder einmal ein Fall von Erziehung, bei dem man zuerst die Eltern erziehen muss.

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Seit Anfang 2020 bin ich Geschäftsführender Gesellschafter der humanfy GmbH und habe meine geschäftlichen Aktivitäten dorthin verlagert.

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