New Work: ein integratives Gesamtmodell

Ich habe eine Schwäche: Ich baue instinktiv immer konzeptionelle Raster. Das ist bei mir so eine Art Scan-Programm, das läuft in Coachings, Meetings, Team-Workshops oder bei Unternehmensberatungen kontinuierlich im Hintergrund mit.

Das ist keine Koketterie, sondern eine beobachtete Konstante meiner Arbeit. Das hilft mir einerseits, Muster und größere Zusammenhänge zu erkennen (z.B. in Teams oder Organisationen), zum anderen denke ich mir manchmal: Schmeiß‘ den ganzen Theorie-Müll doch über Bord! Lass mal locker! Geht auch ohne! Na gut, bei mir eben nicht. Deswegen fällt es mir auch vergleichsweise leicht, Modelle selbst zu entwickeln oder Probleme in grafischen Modellen darzustellen (seien sie nun klassich wie die 4-Felder-Matrix oder innovativ wie die Canvas-Techniken).

New Work: Handlungsfelder für Organisationen

Wenn ich bei einer Sache kein Muster erkenne oder kein Raster bilden kann, werde ich wuschig. Das kenne ich aus der Psychologie und es geht mir bei New Work auch so. In der Psychologie hat man es ja auch mit vielen Klein- und Kleinst-Theorien und Modellen zu tun, die man in Kontext setzen und sinnvoll gebrauchen soll. Bei New Work gibt es auch viele Klein- und Kleinst-Modelle: von Design Thinking über Agilität, psychologische Erkenntnisse über menschliche Wahrnehmung, die in Creative Workspaces einfließen, Sozialpsychologie für die Zusammenarbeit und so weiter. Die Liste ließe sich sehr weit fortsetzen.

Ganz klar gesagt, haben diese Klein- und Kleinst-Theorien ihre volle Berechtigung, erlauben sie doch eine wissenschaftliche und fundierte Auseinandersetzung mit New Work. Nur ich persönlich werde da eben wuschig, weil mir der größere Rahmen oder neudeutsch das „Framework“ fehlt. Für Organisationen bzw. Wirtschaftsunternehmen haben Hackl, Wagner et al. ein solchers Framework entwickelt, das mir gut gefällt. Sie teilen New Work für Organisationen in fünf Handlungsfelder: Führung, Agilität, Individualität, Flexibilität und Creative Workspaces.

Darauf kann man aufbauen, aber ein Gesamtmodell für New Work ist es noch nicht (das wollten die Autoren ja auch gar nicht liefern). Wer es genauer wissen will, kann das Buch von Hackl, Wagner et al. sichten oder sich meine Video-Rezension anschauen.

New Work: ein integratives Gesamtmodell

In einem früheren Post hatte ich die drei Hauptziele von New Work erläutert:

  • Ebene Mensch: Arbeit, die man „wirklich, wirklich will“
  • Ebene Organisation: das Schaffen und Erhalten dynamikrobuster Organsationen, die der VUCA-Welt gewachsen sind
  • Ebene Gesellschaft: ein progressiver Kapitalismus, der Aspekte wie soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit in einer globalen Dimension ausreichend berücksichtigt

Verknüpft man diese drei Ziele mit den Klein- und Kleinst-Theorien, die bei New Work so herumschwirren, kommt man auf folgendes Cluster-Modell, welches von Arthur Soballa und mir entworfen wurde:

New Work: Cluster und Handlungsfelder

  1. Cluster: Technology. Hierunter fallen Buzzwords wie Digitalisierung, Innovation, Transformation von Geschäftsmodellen, Neuerfindung von Strategien, große technologische Trends, Design Thinking etc.
  2. Cluster: People & Collaboration. Hierunter fällt alles, was mit Menschen und ihrer Zusammenarbeit zu tun hat: Führung, Theorien und Konzepte wie Agilität, Scrum, Dezentralisierung, Recruiting, Employee Ecosystem etc.
  3. Cluster: Law & Compliance. Hierunter fallen Arbeitsgesetze, Mitbestimmung, Governance, nationale und internationale Regeln und Gesetze zur Arbeit etc.
  4. Cluster: Politics. Hierunter fallen die großen Linien der politischen Sphäre, vor allem der Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialpolitik.

Man erkennt ziemlich schnell, dass über zwei Cluster sehr oft geprochen wird und über die anderen zwei fast überhaupt nicht. Technology und People & Collaboration stehen gerade hoch im Kurs; Buzzwords wie Agilität, Scrum, Digital Leadership oder Digital Transformation machen munter die Runde. Hingegen sehen wir die Cluster Law & Compliance und Politics in der Diskussion massiv unterrepräsentiert. Hier müssen New Worker viel stärker die politische und gesetzgeberische Sphäre in die Verantwortung ziehen, Gesprächsangebote machen, aufklären und unsererseits Impulse fordern.

Unser Modell der vier Cluster mit den entsprechenden Handlungsfeldern soll einen konzeptionellen Rahmen schaffen für Modelle, Theorien und Unterthemen von New Work. Daher nennen wir es integrativ. Natürlich ist das Modell „Work in Progress“, eventuell wird es auch Korrekturen oder Änderungen geben. Aber zumindest können New Worker damit Interessierten, die mit der Materie nicht so vertraut sind, auf einen Blick die Dimensionen von New Work nahebringen.

Sei der Erste, der diesen Beitrag teilt!

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei
X