New Work ist mehr als Organisationsentwicklung

Bild eines Wolkenkratzers

New Work war nicht immer, was es heute ist. Und New Work ist heute weniger, als es früher war. Klar soweit? Gut. Genug der Wortverdrehungen. New Work hat in der Tat eine gewisse intellektuelle Verarmung hinter sich – was besonders deshalb schade ist, weil viele sich noch gar nicht mit dem Konzept beschäftigt haben. Tun sie es heute dennoch, werden sie mit einer abgespeckten New Work – Version in Kontakt kommen. Man hat sozusagen das Gourmet-Menu auf den Salat reduziert. Nichts gegen Salat, aber ein Risotto hat auch seinen Reiz.

New Work war ursprünglich Mahner des Kapitalismus

New Work vereinte ursprünglich eine radikale Kapitalismuskritik mit einer technologischen Vision der Selbstversorgung und einer Vision der beruflichen Sinnerfüllung. (Wer etwas über Innovation im technischen Bereich der Selbstversorgung, des 3D-Drucks etc. erfahren will, dem sei diese Facebook-Gruppe empfohlen.) Heute ist davon wenig bis nichts geblieben.Es geht sehr technisch zu in der New Work – Bewegung heute. Organisationsentwicklung ist das Zauberwort. Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Scrum und so weiter bestimmen die Debatte. Dabei ging es am Anfang gar nicht um Organisation, nicht einmal um Arbeit. Sondern um Freiheit. Die Freiheit des Menschen, erst generell und dann in der Arbeit. Diese tiefe Bedeutung des New Work dürfen wir heute nicht vergessen.

Daher sollten wir das Werk einiger Intellektueller bewusst in die Diskussion um New Work einbeziehen, auch wenn diese sich nicht direkt auf New Work beziehen. Eine kleine Auswahl: Thomas Piketty, Das Kapital im 21. Jahrhundert, David Graeber, Schulden: Die ersten 5.000 Jahre oder Byung-Chul Han, Müdigkeitsgesellschaft.

New Work 2.0: Vor allem Organisationsentwicklung

Wird man jedoch modern und widmet man sich der zweiten Generation von New Workern, bestimmen schnell die „Großen Drei“ die Diskussion: Demokratisierung, Digitalisierung, Dezentralisierung. Praktisch jede New Work – Initiative lässt sich auf einer der drei Dimensionen verorten. Wertvoll sind alle drei, selbstverständlich. Und schön kategorisieren kann man die New Work – Instrumente auch noch – ein großer Vorteil für die Beratungsarbeit und das Verständnis des Kunden.

Doch immer gilt das „wozu“. Cui bono – wem nutzt es? Dem Eigentümer, dem Shareholder, den Kunden, den Mitarbeitern? Am besten allen. Doch wir sollten nicht vergessen, dass New Work immer im Zeichen der Freiheit und der Kapitalismuskritik stand. Handle so, dass sich deine Optionen vergrößern. Handle so, dass sich die Optionen deines Gegenübers vergrößern. Kollaboration, nicht Konkurrenz ist die Handlungskonstante der neuen Arbeitswelt. Noch nicht viele haben das begriffen. Doch wie sollte man demokratisieren, wenn man dem Gegenüber nur schlechte Entscheidungen zutraut? Wie sollte man dezentralisieren, wenn man keine Kontrolle abgeben kann? Schwierige Sache, dieses New Work. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen – so ging früher ein Spruch. Erst die Freiheit, dann die Arbeitsgestaltung – so sollte New Work heute sein.

P.S.

Wie New Work den Kapitalismus verändern und ihn zu einem Werkzeug der individuellen Freiheit und der gesellschaftlichen Verantwortung machen will, erfahren Sie in meinem Vortrag „Arbeit und Kapitalismus -New Work als innovative Gesellschaftskritik“.

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