Rezension: Guido Bosbach et al., Arbeitsvisionen 2025

Die Zukunft der Arbeit wird zur Zeit heiß diskutiert. Ob man es nun New Work nennt, Arbeiten 4.0 oder anders: Viele Leute fragen sich, wie unsere Arbeitswelt zum Beispiel in zehn Jahren aussieht. Der Berater Guido Bosbach ist einer derjenigen, die solche Fragen stellen – und er hat ein Buch daraus gemacht: „Arbeitsvisionen 2025. Perspektiven, Gedanken, Impulse und Fragen zur Zukunft unserer Arbeit“ enthält 50 Interviews mit unterschiedlichen Gesprächspartnern, 25 Kommentare zu thematisch relevanten Hintergründen (Demographischer Wandel, Bildung, Digitalisierung etc.) und über 200 zukunftsorientierte Reflexionsfragen, die man sich oder auch seiner Organisation stellen kann.

Nichts Genaues weiß man nicht

Es ist natürlich immer schwer, über eine wie auch immer geartete Zukunft der Arbeit zu spekulieren. So auch hier. Inhaltlich kann man die 50 Interviews meiner Meinung nach sehr grob folgendermaßen zusammenfassen: a) Wir hoffen, es wird besser / menschlicher / sinnhafter. b) Von der Power der Digitalisierung haben wir erst ein bisschen was gesehen. Mit zunehmender Seitenzahl gleichen sich die Interviews gefühlt allerdings immer mehr an. Im Grunde sagen sie, so mein persönlicher Eindruck, größtenteils  dasselbe. Das liegt zum Teil an der immer gleichen Interview-Struktur, die individuelles Nachbohren verhindert. Fairerweise muss man festhalten, dass die Interviews laut Autor Zusammenfassungen einer Blogparade sind, an der sich die Interviewten beteiligt haben. Da hat man natürlich immer die gleiche Fragestruktur. Aber es sind halt auch immer die gleichen Schlagworte und buzzwords, die geliefert werden: „Augenhöhe“, „Vernetzung“, „Selbstbestimmung“, „Sinn“, „Flexibilität“ und andere. Es wäre beispielsweise spannend gewesen, ein Interview mit jemandem zu lesen, der so gar nichts mit der Materie zu tun hat, einfach als „Querstimme“.

It’s the digital future, stupid!

Lohnenswerter als die Interviews fand ich die Kommentare des Autors zu den Megatrends und ihrer Bedeutung, beispielsweise zu Demographie, Komplexität, Führung oder Innovation. Hier lässt Bosbach teilweise spannende eigene Gedanken einfließen. Darüber hinaus sind diese Kommentare lobenswerterweise auch immer mit Fußnoten und weiterführenden Links ausgestattet. Diese kann man am Ende des Buches studieren und ihre Online-Quelle, wenn man will, sofort sichten.  Leider fehlen auch hier manchmal prägnante Thesen und werden durch Allgemeinplätze ersetzt. Beispiel Digitalisierung: „Die Digitalisierung schreitet immer weiter und schneller fort. Wir haben die Chance, enorme Möglichkeiten für uns zu nutzen.“ Hm.

Ein guter Einstieg für Laien

Für Spezialisten, Organisationsberater, Arbeitspsychologen etc. bietet das Buch meiner Meinung nach wenig Mehrwert. Dafür fehlt die theoretische Untermauerung und Sortierung. Zum Beispiel könnte man die Riesenwolke „Digitalisierung“ auf ihre vier Varianten herunterbrechen und diskutieren: die Selbststeuerungsfähigkeit technischer Systeme (z.B. das selbst fahrende Auto), die Vernetzung technischer Systeme, Informationsbestände und Akteure (Mensch-Maschine-Interaktion), technische Assistenzsysteme (z.B. Datenbrillen) und Simulationen auf Basis virtueller Realitäten (vgl. Kuhlmann, Martin; Schumann, Michael: Digitalisierung fordert Demokratisierung der Arbeitswelt heraus. In: Hoffmann, Reiner; Bogedan, Claudia (Hrsg.): Die Zukunft der Arbeit. Campus, 2015, S. 122-140). Aber vielleicht hat sich Bosbach auch bewusst gegen eine „Tiefenstrategie“ entschieden und mehr für eine „Breitbandimpfung“.

Am besten scheint mir das Buch geeignet für interessierte Laien, die sich generell mit dem Thema „Zukunft der Arbeit“ auseinandersetzen wollen. Diese bekommen vor allem in den Kommentaren und den Reflexionsfragen gute Impulse zur Bestimmung des eigenen Standpunkts. Und ein Extralob gibt es für das äußerst ausführliche, kommentierte Fußnotenverzeichnis, das den Leser auf andere interessante Quellen hinweist.

Fazit

Experten werden aus meiner Sicht mit dem Buch nicht glücklich werden, da eine theoretische Fundierung, vor allem in den Kommentaren, fehlt. Und für die fachliche Vertiefung gibt es bereits sehr gute Literatur, zum Beispiel den Sammelband „Zukunft der Arbeit“ von Hoffmann und Bogedan. Wer hingegen einen Schnelleinstieg ins Thema will und wenig bis keine Vorkenntnisse hat, dem sei das Buch sehr empfohlen. Es gibt einen Einblick in die Themen- und Gedankenwelt der „Zukunft der Arbeit“ und ihrer Protagonisten.

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