Rezension: Roland Kopp-Wichmann, Ich kann auch anders

Aha. “Ich kann auch anders. Psychofallen im Beruf erkennen”. Das ist der Titel des neuen Buches meines Kollegen Roland Kopp-Wichmann, seines Zeichens Diplom-Psychologe, Therapeut und Coach aus Heidelberg.

Oh nein. Nicht schon wieder ein Selbsthilfebuch. Hört das denn nie auf? Diese und ähnliche Assoziationen schießen mir durch den Kopf, während ich das Buch hin und her wende. Und dabei nicht merke, dass ich eines von Kopp-Wichmanns Prinzipien bereits anwende: Achtsamkeit. Auf sich hören. Spüren, was in einem vorgeht.

Ich beginne und bin schnell gebannt. Da ich selbst Psychologe bin, weiß ich um die Neigung meiner Zunft, sich hinter kryptischen Begriffen zu verstecken, um in der sprachlichen Abgrenzung Kompetenz zu simulieren. Nichts davon bei Kopp-Wichmann. Sein Tonfall ist gerade, bedächtig, verständlich. Aus ihm spricht die Erfahrung von 25 Jahren Arbeit mit Menschen.

Inhalt
Das Buch besteht grob aus zwei Teilen. Im ersten beschreibt der Autor, warum wir Menschen uns manchmal seltsam verhalten und wie wir uns daran hindern, Probleme zu lösen. Ein Selbsttest zu den “Inneren Antreibern” des Lesers, also zu seinen Motiven und Prinzipien, rundet die Sache ab. Teil zwei widmet sich den zehn häufigsten Psychofallen im Beruf, von Perfektionismus über die Angst, nicht Nein sagen zu können bis zur Sucht nach Anerkennung.

Das Positive
Die psychologischen Mechanismen werden gut erklärt, ohne Fach-Blabla. Es gibt viele Beispiele, auch aus RKWs persönlichem Leben. Sympathisch. Man kann in jede “Falle” einsteigen, soweit man will. Jedes dieser Kapitel ist gegliedert in eine theoretische Erklärung, in weiterführende Fragen und schließlich Verhaltensexperimente zum Ausprobieren. In diesem Sinne ist “Ich kann auch anders” ein echtes Arbeitsbuch, denn “nur durch Lesen verändert sich nichts”, wie RKW ganz richtig betont.

Was ich mir gewünscht hätte
Vermutlich ist ein ruhiger, sachlicher, “ebenerdiger” Tonfall notwendig, um eine größtmögliche Akzeptanz beim Leser zu erreichen. Ich hätte mir trotzdem etwas mir sprachlichen Esprit gewünscht – den der Autor unzweifelbar besitzt und der auch an einigen Stellen aufblitzt.

Für wen ist dieses Buch?
Im Grunde für jeden, der mehr über sich erfahren will. Es bezieht sich zwar formal auf den Beruf, kann jedoch ebenso auf das Verhalten im Privatleben angewendet werden. Zumal ich RKWs These teile, dass unser Denken und Verhalten im Beruf teilweise bereits als – damals familiäre – Lösungsstrategie in Kindheit und Jugend angelegt wurde.

Fazit
RKW erklärt nachvollziehbar und sympathisch, wie Psychofallen im Beruf entstehen und wie Sie sie mit einiger Anstrengung überwinden können. Oder wenn Sie einfach mal herausfinden wollen, was hinter dem Gebrüll des Chefs steckt. Oder dem ständigen Schweigen Ihres Kollegen. Wenn Sie an sich arbeiten wollen und ein Buch suchen, das Ihnen wertvolle Impulse und Anleitungen geben soll: Greifen Sie zu. Die knapp 15 EUR sind gut investiert.

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Seit Anfang 2020 bin ich Geschäftsführender Gesellschafter der humanfy GmbH und habe meine geschäftlichen Aktivitäten dorthin verlagert.

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