Roboter und Automation: Das sind die gefährdeten Berufe

Hypes sind eine feine Sache. Egal, was drauf surft, es wird mitgerissen. Vom großen Schrott bis zu tatsächlich bemerkenswerten Erkenntnissen. Insofern sollte man Hypes an sich nicht unterschätzen, ihnen aber kritisch gegenüberstehen. Es ist halt nicht alles Gold, was glänzt.

Der aktuelle Hype im HR-Bereich heißt „New Work“. Nachdem die FAZ ja Gott sei Dank eher vergeblich versucht hatte, Narzissmus als die neue It-Störung des asozialen Managers zu etablieren, surfen wir nun alle auf der „New Work“ – Welle. Ich auch, aber leider zu früh: Wäre mein Buch „Cooldown“ ein Jahr später herausgekommen, hätte ich eine größere Welle erwischt. Aber man kann eben nicht immer entsprechend timen. Nobody’s perfect.

Im Zuge des New Work – Hypes wird natürlich auch diskutiert, inwieweit uns Roboter ersetzen werden. Vielleicht erleben wir dann alle die entzückte Freude Al Bundys (wer kennt ihn noch?), der bei einer Service-Hotline anrief und es nicht fassen konnte: „Peggy, oh mein Gott, ich habe einen echten Menschen am Telefon!“ Das entsprechende Szenario schwankt zwischen filmreife „Wir werden alle sterben!“ – Visionen und einem eher nüchteren „Alles halb so wild.“ Nur belastbare Zahlen dazu sind eher rar.

Doch just über solch belastbare Zahlen bin ich gestolpert – in Form eine Studie der ING Diba, die methodisch transparent und sauber die „Ersetzbarkeitsrate“ verschiedener Berufe ausgerechnet hat (PDF-Download). Diese  folgt dabei einer Pilotstudie aus den USA, die jedoch explizit auf den deutschen Markt, seine Berufsgruppen etc. umgerechnet wurde. Die sieben Seiten sind schnell überflogen, und im Kern geht es um diese Tabelle.

Man sieht, dass in die Wahrscheinlichkeitsberechnung insgesamt rund 31 der 38 Millionen abhängig Beschäftigte in Deutschland eingegangen sind. Hiervon sehen die Autoren

  • 59 % der Jobs insgesamt durch die fortschreitende Automatisierung mittel- und langfristig gefährdet.
  • Am härtesten trifft es „Bürokräfte und verwandte Berufe“ mit 86 % Wahrscheinlichkeit.
  • Akademiker, Kreative und Führungskräfte haben mit ca. 11 % die geringste Wahrscheinlichkeit, wegrationalisiert zu werden.

Weitere Detailauswertungen gibt es in der Studie. Die Autoren werfen sich jedoch  – Gott sei Dank – nicht auf den übergroßen, roten Alarmknopf:

“ [Es] werden viele neue Arbeitsplätze entstehen, die sich an die veränderten Umstände anpassen. Denn obwohl viele Arbeitsplätze in ihrer jetzigen Form von der „Reindustrialisierung“ gefährdet sind, bieten sich genau dadurch auch immer wieder neue Chancen für die Wirtschaft. Denn der technische Fortschritt kann Raum für die Entstehung neuer Aufgaben und Tätigkeiten schaffen. Vor allem wird es zu einer Umschichtung in Richtung IT-Tätigkeiten kommen. Nichtsdestotrotz bedeutet diese Entwicklung auch höhere Anforderungen an die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit vieler Beschäftigter. Denn für den Einzelnen kann der technologische Umbruch durchaus mit hohen negativen Kosten verbunden sein.“

Insgesamt gilt: Bildung, IT-Kompetenz, Expertenwissen und „unkopierbare Komplexität“ der Aufgabe sind King. Für viele andere kann es langfristig ungemütlich werden.

Fazit

Diese kleine Studie ist Pflichtlektüre für alle Personaler, Karriereberater, Jobsucher – und Eltern, die wissen wollen, welche Ausbildung sich für ihre Kinder noch lohnt. 🙂

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