Schlafentzug

Seit ich Kinder habe, schlafe ich immer angezogen. Ernsthaft. Sollten sich über die Tagesstunden mal einige Minuten der Ruhe abzeichnen, falle ich einfach aufs Bett und gut is’. Sich ausziehen hieße, wertvolle Lebenszeit zu vergeuden. Wenn ich gut drauf bin, krümpele ich noch die Bettdecke über mir zusammen, bevor mein Neocortex den Aus-Knopf betätigt.

Wahrscheinlich bekomme ich einfach zu wenig Schlaf. Ich bin auf Entzug – wie Millionen anderer Menschen auch. Und da rechne ich die manischen Manager, deren stolzgeschwellte Brust nach vier Stunden Power-Napping von der Matratze hüpft, noch gar nicht mit rein. Bei denen ist sowieso Hopfen und Malz verloren.

Viele von uns erleben den Schlaf als lästige Pflicht, die sie von ihrem natürlichen Dasein als Eltern, Arbeitskraft oder Parkbank-Besetzer abhält. Dabei wissen wir doch längst, dass Schlafentzug das Gedächtnis ruiniert und uns anfällig macht für Krankheiten. Indem wir wenig schlafen, sägen wir an dem biologischen Ast, auf dem wir sitzen. Aber darin haben wir schließlich Übung. Klimawandel, Blei im Spielzeug, Essen mit Krebs inklusive: You name it.

Daher mein Aufruf an alle augengeränderten, tieffaltigen, gedächtnisschwachen Menschenkinder: Erobern Sie Ihre Matratzen zurück. „Mein Bauch gehört mir“ war gestern. Mein Schlaf gehört mir! Am besten, Sie fallen genau da um, wo Sie jetzt stehen. Ja, Sie! Legen Sie die Maus aus der Hand und den Kopf auf den Tisch! Wenn Sie jemand blöd anmacht, sagen Sie einfach, Ihr Psychologe hat es Ihnen befohlen. Das zieht immer.

Photo © kallejipp | photocase.com

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