Sind Sie schonmal falsch abgebogen?

Die Sonne senkt sich bereits über die Wüste, als Karen bremst. Staub wirbelt auf unter den alten Bridgestone-Reifen, die sie letztes Jahr hat aufziehen lassen. Zikaden zirpen und Karen rüttelt an ihrer viel zu großen RayBan. Sie liest noch einmal die Karte und zieht dann rechts rüber. Ihr Koffer vibriert auf dem Rücksitz.

Und wieder geht es ein Stück weiter nach Westen. Sie weiß es nicht, aber sie wird niemals hierher zurückkommen. Weil alles, was vor einem liegt, immer besser ist als das, was man hinter sich gelassen hat.

Die Rücklichter des Ford verschwinden am Horizont. Nur der Staub wirbelt noch, dem die Zikaden Salut singen.


Sind Sie schon mal falsch abgebogen im Leben? Mal so richtig in‘ Sack gehauen? Und es zerrt immer noch an Ihnen? Herzlich willkommen im Club. Es muss nicht gleich der falsche Partner fürs Leben sein, es geht auch ’ne Nummer kleiner. Falsche Ausbildung, falsche Stelle, einmal ausgestiegen vielleicht und nicht mehr zurückgefunden. Das sind so die Abfahrten, mit denen ich in Coachings konfrontiert werde. Da geht es ja auch oft um den „Roten Faden“ im Lebenslauf.

Ich stelle immer wieder fest, dass manchmal gar nicht das Papier das Problem ist, sondern die Sicht der Klienten darauf. Da wird ein 6-Monatsgastspiel bei einer Firma als Karriere killende Untat hochgepusht oder sich selbst das Recht abgesprochen, „mit dem Salat“ eine Position zu finden, die glücklich macht.

Zeit für einen Perspektivenwechsel. Solange Sie sich in Details Ihrer Vergangenheit verbeißen und Sie als „Ausrutscher“ von sich abspalten, werden Sie keinen Erfolg haben. Lektion Nr. 1: Nehmen Sie diese Phase an. Und zwar wertschätzend. Sagen Sie sich ruhig: „Okay, aus heutiger Sicht war diese Episode vielleicht falsch, nicht zielführend, dumm etc. Aber sie gehört zu mir und meinem Leben. Ich akzeptiere das und mache damit meinen Frieden. Und ich versuche zu verstehen, was mich diese Phase gelehrt hat und was ich für mein weiteres Leben mitnehmen kann.“

Vielen Menschen gelingt es nicht sofort, diese erste Lektion zu beherzigen. Sie stecken zu tief in ihrer Selbstbestrafung bzw. in den Vorstellungen ihrer Umwelt und der Gesellschaft, wie „man“ einen „erfolgreichen“ Lebensablauf gestaltet. Darum Lektion Nr. 2: Schauen Sie nach vorn. Mit noch soviel Grübeln werden Sie das Geschehene nicht ungeschehen machen. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Entdecker, der gerade an fernen Gestaden gelandet ist: ihrer Zukunft. Erstellen Sie eine Landkarte mit Ihren Möglichkeiten, Wünschen, Zielen und Erfahrungsschätzen. Das meine ich wörtlich: Bleistift, DINA4-Blatt und los geht’s. Das schärft den Blick und Sie nutzen Ihre geistigen Kräfte für echte Pläne und Möglichkeiten.

Schon Nietzsche wusste: „Sein bestimmt das Bewusstsein.“ In diesem Sinne werden Sie zu einem Gestalter Ihrer Zukunft und nicht zu jemand, der das Klagefeuer seiner vergangenen Fehler umkreist.

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anonymus
10 Jahre zuvor

Es ist seltsam, wie wenig das Thema persönliche Entwicklung tatsächlich ein persönliches Thema ist. In der Schule und im Studium gibt es nichts brauchbares. Im Studium gab es zwei Veranstaltungen die „Soft Skills“ vermitten sollten. Als ob man gut präsentieren könnte, wenn man nur die Techniken kennt. Ziemlich schade, dass dieses Thema nicht dauerhaft ein Gesprächsthema ist.

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