Stell’ dir vor, es ist Erfolg und du gehst nicht hin

Okay, der selige Günter Grass dreht sich im Grabe herum ob dieses Titels. Er und Hemingway leeren gerade eine Flasche Jacky und diskutieren, wie man so jemand wie mich bloß an ein Keyboard lassen kann. Aber egal, es hat funktioniert: Sie haben draufgeklickt und lesen jetzt diesen Text. Yeah, Erfolg!

„Wie werde ich erfolgreich?“ ist die falsche Frage

Im Ernst: Ich kenne keinen Menschen, der nicht erfolgreich sein will. Jeder hat bestimmte Bereiche, in denen er leisten und Erfolge sehen will. Oder doch nicht? In der Wortwahl liegt der Fehler: Manche Menschen „wollen“ ihren Erfolg gar nicht „sehen“. Sind wir erfolgreich, ist unsere erste Reaktion meist: Abwiegeln, rausreden, ein Lob „ist doch nicht nötig“, „das war doch selbstverständlich“, der ganze anerzogene Mist von wegen „Bescheidenheit ist eine Zier“. Natürlich soll man nicht rumlaufen wie Graf Gocks, aber man muss mit Erfolg umgehen können. Deswegen ist die Frage „Wie werde ich erfolgreich?“ schon mal die falsche Frage. Vorher kommt die Frage: „Lasse ich Erfolg überhaupt an mich heran?“ Denn das geschieht in drei Stufen.

1. Erfolg wahrnehmen

In der ersten Stufe sollten Sie lernen, eigene Erfolge wahrzunehmen. Irre, oder? Wir sind einerseits so erfolgsgepolt, und andererseits wehren wir Erfolge ab, machen uns herunter, damit ja keiner denkt, der Erfolg wächst auf unserem eigenen Mist. Oder haben Sie schon einmal auf ein tolles Kompliment einfach erwidert: „Ja, danke. Sie haben recht, das habe ich toll hingekriegt“? Eben. Unsere Erfolge liegen auf der Straße, wir sehen sie nur nicht: ein Lächeln, ein Lob, eine aufmunternde Mail: Das alles „haben wir ja gar nicht verdient“. Doch, haben wir. Sie und ich. Weil wir gute Arbeit leisten. Weil wir uns anstrengen. Nur akzeptieren müssen wir es.

Tip: Sehen Sie Ihren Erfolg. Das ist die erste Lektion. Am besten machen Sie kurze Notizen oder hängen sich Post-Its mit kleinen Tageserfolgen an Ihren Rechner – nicht zum Herumzeigen, sondern zum Erinnern.

2. Erfolg integrieren

Sobald wir Erfolg haben, beginnt das innere Gericht: Es gibt die positive Stimme, den „Bestätiger“, der sich freut und sagt: „Oh, cool. Yes, we can.“ Sowas in der Richtung. Diese Stimme ist zuständig für unser positives Selbstbild – vereinfacht gesagt. Der Bestätiger ist sowas wie ein Maurer, der auf seine Ziegelsteine (Erfolgserlebnisse) wartet, um sie ins Haus des Ich zu verbauen. Liefert man ihm keine, kann er kein Haus bauen. Denn andererseits gibt es die negative Stimme, den „Controller“. Der Controller hat grundsätzlich eine wichtige Funktion: Er sorgt für gesunden Realismus, er ist der  Prüfer unseres Erfolgs. An sich okay, denn „schlechte Ziegelsteine“ (um im Bild zu bleiben) müssen wir aussortieren, sonst wackelt irgendwann das Haus. Aber: Oft erlebe ich es als Coach, dass der Controller übermächtig wird. Er schießt dann Sätze ab wie „Du hast einfach nur Glück gehabt“, „Das hast du gar nicht verdient“ oder ähnliches. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass auch der Controller es gut mit uns meint. Nur übertreibt er es ein wenig mit seinem Schutzbedürfnis. Erfolg integrieren bedeutet daher: Der Bestätiger und der Controller müssen sich die Waage halten. Der Controller sollte sich zurücknehmen und dem Bestätiger Raum lassen, denn: keine Erfolgswahrnehmung => keine Ziegelsteine => kein vollständiges Haus des Ich.

Tip: Fragen Sie den Controller direkt, was seine Befürchtungen sind. Stellen Sie sich vor, der Controller wäre eine eigene Teilpersönlichkeit von Ihnen: Was sagt er? Was will er? Warum ist er so hartnäckig? Sobald Sie mit Ihrem Controller in den Dialog gehen und er sagen kann, was ihn bewegt, lässt der Druck in der Regel nach und der Controller kann sich zurücknehmen. Da er der direkte Gegenspieler des Bestätiger ist, kann dieser wiederum freier agieren. Und Sie erhöhen die Chance auf eine Integration von Erfolgserlebnissen.

3. Erfolg selbstverständlich machen

Wirklich erfolgreiche Menschen prahlen nicht herum. Sie gehen nicht mit ihren Erfolgen hausieren. Das machen nur unsichere Typen, die ihren Bestätiger nach außen Amok laufen lassen – in der irrigen Annahme, so könnten sie ein inneres, stabiles Haus des Ich bauen. Von daher besteht die letzte Stufe der Erfolgsintegration in einem selbstverständlichen „Leben mit dem Erfolg“. Erfolge hat man, Misserfolge auch. So what? Langgfristig sollten wir mit dem einen so souverän umgehen können wie mit dem anderen. Die genannten drei Schritte helfen Ihnen dabei. Legen Sie los und halten Sie heute noch Ausschau nach Ihren Erfolgen. Es lohnt sich.

Photo © Freeimages.com / Javier Taboada

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