[Thesenreihe] New Work fördert einen maßvollen Kapitalismus (These 1 von 7)

Bild eines Aktienkurses

Beginnend heute, möchte ich in lockerer Folge meine sieben Thesen zu Zukunft der Arbeit und zu New Work darstellen. Diese Thesen beschäftigen sich mit den Einflüssen und Folgen von New Work auf den Menschen, auf Organisationen und die Gesellschaft als Ganzes.

[symple_box color=“blue“ fade_in=“false“ float=“center“ text_align=“left“ width=“100%“]These 1 von 7

New Work fördert eine sozial gerechte Gesellschaft sowie einen maßvollen Kapitalismus und befriedigt damit zwei zentrale postmoderne Bedürfnisse.[/symple_box]

 

Maßvoller Kapitalismus ist ein Grundpfeiler von New Work

Es gibt viele Schattierungen von New Work, viele Instrumente, ja ganze Organisationssysteme (wie z. B. Holocracy), mit denen man New Work in Organisationen bringen kann. Es gibt agile Methoden, Tools für demokratische Entscheidungen oder  Großgruppenmethoden für ein größeres Bewusstsein bzgl. Gesundheit, Well-Being oder Sinnfindung in Unternehmen. Sie alle wachsen jedoch auf dem gleichen Boden, auf dem Hintergrund dreier globaler Ziele, denen sich New Work seit seinen Anfangstagen verschrieben hat. New Work wollte und will von Beginn an

  • dem Menschen eine berufliche Tätigkeit ermöglichen, die seinen Stärken und seinen Bedürfnissen entspricht,
  • den Organisationen helfen, sich an die VUCA-Umwelt anzupassen und
  • in der Gesellschaft auf einen maßvollen Kapitalismus hinarbeiten.

Eine sozial gerechte Gesellschaft als „Dritter Weg“

Im medialen Grundrauschen unserer Tage geht der dritte Punkt, die Veränderung der Gesellschaft, manchmal etwas unter. Dabei war dieser Punkt dem New Work – Begründer Bergmann sehr wichtig. Er setzte seine Philosophie explizit vom Gier-Kapitalismus unserer Tage, aber auch vom Kommunismus entschieden ab. Seine Lösung nannte er den „Dritten Weg“: eine radikal neue Form von Kapitalismus, mit deutlich weniger Konsum, mit einer Wirtschaft des „minimalen Kaufens“, einem ökologischen Imperativ und einer Reduzierung des Lohnarbeitssystems.

New Work unterstützt diesen Trend, nicht indem es allgemeingültige Lösungen vorlegt, sondern indem es die richtigen Fragen stellt. Darin ist es tatsächlich revolutionär. Fragen nach der „Gottgegebenheit“ des Lohnarbeitssystems, nach der Sinnhaftigkeit des eigenen (beruflichen) Handelns und danach, wie Arbeit die menschliche Freiheit unterstützen kann, kann man im engen Korsett des traditionellen kapitalistischen Systems nur schwer stellen. Dadurch, dass wir uns als Menschen, als Organisationen und als Gesellschaft immer wieder diese und andere Fragen stellen, erzeugen wir ein neues Bewusstsein für die Probleme – und Lösungen (!) – um uns herum, in unserer Arbeits- und Lebenswelt. Der Dritte Weg, von dem Bergmann sprach, fängt also als erstes in unseren Köpfen an, nicht in unseren Organigrammen oder politischen Absichtserklärungen.

Deutschland ist prädestiniert für einen menschenwürdigen Kapitalismus

Wie fast kein anderes Land hat Deutschland die besten Voraussetzungen, ein New Work – Vorzeigeland zu werden. Wie das? Deutschland hatte bereits im späten 19. Jahrhundert mit Otto von Bismarck einen wichtigen Sozialreformer (auch wenn er politisch die Sozialdemokratie mit den Sozialistengesetzen auf Abstand hielt). Er setzte beispielsweise das Arbeitsalter von Kindern auf neun Jahre herauf (!), führte ein staatliches Rentensystem ein und focht erfolgreich gegen den Widerstand der Kirchen für die Einführung der Zivilehe.

Nach den beiden Weltkriegen etablierte Deutschland erfolgreich eine „soziale Marktwirtschaft“, ein ganz eigenes Verständnis von Markt, Kapital und Sozialverpflichtung, das bis heute tief in der deutschen Gesellschaft verwurzelt ist und sie einen „Raubtierkapitalismus“ angelsächsischer Prägung ablehnen lässt. Man mag überdies von unseren bürokratischen Systemen halten, was man will, aber der gesellschaftliche Impuls zur Verteilung von Vermögen ging immer in Richtung Ausgleich, hin zur gesellschaftlichen Mitte. Ob das immer wirksam war oder gelang, darf man selbstverständlich in Frage stellen. Doch das Ziel einer sozial gerechten Gesellschaft ist in Deutschland seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts common sense.

Weiterhin ist Deutschland ein Land, das in die Bildung seiner Bürger investieren muss. Aufgrund mangelnder Bodenschätze sind wir als Gesellschaft darauf angewiesen, nicht nur technologisch innovativ zu sein, sondern unsere Lern- und Arbeitswelt immer wieder zu überarbeiten und den neuen Geggebenheiten (VUCA!) anzupassen. Nur so trainieren wir die jeweils nächste Generation für die geistigen Herausforderungen, die vor uns liegen, für kreative Lösungen in Wirtschaft, Kultur und Politik. Dabei hilft uns, dass wir eine lange Tradition innovativer Denker haben: Leibniz, Humboldt, Kant, Schiller, Goethe, Bach – ich zähle hier bewusst auch die „schönen Künste“ dazu -, die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Warten auf den „tipping point“

Oft wird darauf verwiesen, dass Europa satt sei, dass die Zukunft in Asien liege oder Südamerika oder – sehr langfristig gedacht – in Afrika. Dabei muss man nur die Perspektive wechseln, um die Zukunft für Europa zu erkennen. Europas Zukunft liegt nicht inder quantitativen Entwicklung von Arbeit. Das können andere besser (China! „Werkbank der Weltwirtschaft“ etc.). Wir müssen den nächsten Schritt gehen und Arbeit qualitativ entwickeln und verbessern. Wir müssen uns ganz neuen Fragen stellen wie zum Beispiel bzgl. der Frage nach der Verteilung von Produktivitätserlösen (die künftig auch durch Roboter erzeugt werden). Das braucht eine Revolution des Denkens, einen tipping point, der die neue Arbeitswelt und New Work in den diskursiven Mainstream kickt.

Deutschland hat beste Chancen, diesen tipping point als erstes Land zu erreichen: mit der Sozialen Marktwirtschaft in seiner DNA, mit der langen Tradition der Sozialreformen, mit dem Zwang zu ständiger Innovation, mit der langen Reihe herausragender Denker und Problemlöser, mit seinem engagierten und innovativen Mittelstand. Packen wir den New Work – Impuls dazu, können wir wirklich etwas wuppen und Deutschland zu einem Land des echten maßvollen Kapitalismus machen. Die Zeit ist reif.

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