Toller Kommentar in der FT zur ökonomischen Entmenschlichung

Heute habe ich einen Kommentar in der FTD gelesen, der mich echt von den Socken gehauen hat. Unter der Überschrift „Die Rendite der Entmenschlichung“ geißelt der Autor die Tatsache, „wie Gewinnsucht, Produktivitätsrausch und Konsumwahn die Lebensqualität in den westlichen Gesellschaften seit rund 20 Jahren zusehends zerstören“. Sowas hätte ich der Financial Times bei aller Liebe nicht zugetraut.

Es geht noch weiter: Der Autor fordert gar eine neue „ökonomische Theorie des Schrumpfens“. Wir müssten unter Konsumverzicht lernen, dass Kapitalismus nicht automatisch mit Wachstum gleichzusetzen sei. Ein absolut schlüssiger Gedanke. In der Natur gibt es kein System, das kontinuierlich in eine Richtung strebt. Es ist ein ewiger Kreislauf aus Leben und Tod, Expansion und Schrumpfung, Sieg und Niederlage. Warum sollte dieses universelle Gesetz nicht auch für den Kapitalismus gelten? Es spricht für die Arroganz der Ökonomen speziell und der Menschen ganz allgemein, die Schraube immer in einer Richtung weiterdrehen zu wollen. Dass das nicht funktioniert, hat ja gerade die Finanzkrise eindrucksvoll bewiesen.

Sollten wir als Gesellschaft wirklich eine neue Debatte des Verzichts entzünden, werden wahrscheinlich einige von uns auf eine gewisse Sinnleere zurückfallen, wenn der Konsum als Alltagsbeschäftigung und Sinnstiftung wegfällt. Was wird an die Stelle des Kaufen und Haben treten? Eine wahrlich spannende Frage, die sich immer drängender gerade in unserer westlichen Welt stellt.

Der Schreiber des FT-Artikels legt noch einen drauf und fordert, bereits in der Schule „den Menschen das Menschsein zu lehren“. Wer Pathos nicht mag, wird vielleicht das Gesicht verziehen. Doch die großen Fragen unserer Gesellschaft lassen sich manchmal nur mit großen Worten ausdrücken.

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