Über Fußball, ungarische Frauen und andere nichttriviale Systeme

Sind Sie Fußball-Fan? Ich eher nicht, jedenfalls nicht immer. WM oder EM interessieren mich, aber das war’s auch schon. Und damit bin ich in guter Gesellschaft. Die meisten entdecken ihr Herz für den Fußball, wenn wieder einmal eine EM oder WM stattfindet. En passant, sozusagen. Wie eine Liebe in Budapest: schnell entfacht, voller Leidenschaft, aber auch schnell wieder vorbei. Ah, die Ungarinnen!

Die Welt ist VUCA

Fußball, um beim unamourösen Thema zu bleiben, ist das perfekte Beispiel für ein nichttriviales Sytem und somit für die Wirkprinzipien von New Work. New Work postuliert nämlich gerade, dass wir in der Wirtschaft und anderswo nicht mehr in einfachen, linearen Ursache-WIrkungsketten denken und handeln dürfen, sondern die Nichtlinearität, das Komplexe, das VUCA-hafte berücksichtigen müssen. Die Welt sei nunmal volatile, uncertain, complex und ambiguous – in Bewegung, unsicher, komplex und vielschichtig. (Übrigens wieder eine Parallele zu den Ungarinnen, aber das nur am Rande.)

Fußball, systemtheoretisch

Cover Fritz B. Simon: Einführung in Systemtheorie und KonstruktivismusJeder gute Trainer, jeder Spieler und jeder Zuschauer kennt oder zumindest ahnt die Merkmale des faszinierenden Spiels Fußball, das es zu einem Paradebeispiel für New Work macht:

Geradlinig-kausale Modelle werden durch Konzepte des Netzwerks und der Rückkopplung ersetzt (Stichwort „Zirkuläre Kausalität“): Die Mannschaftsaufstellung beeinflusst das eigene Spiel => beeinflusst das gegnerische Spiel => führt eventuell zu veränderter Aufstellung => …

Kleine Ursachen können über nonlineare Beziehungen große Wirkungen entfalten (Stichwort „Chaostheorie“): eine Rasenunebenheit sorgt dafür, dass sich der Stürmerstar in der 19. Minute den Fuß vertritt; das wird aber erst zum Problem, als ihn in der 70. Minute der Gegner umsäbelt; der Star fällt aus, die Mannschaft verliert.

Die Vorstellung großformatiger Planung und Kontrolle muss aufgrund der Komplexität das Spiels aufgegeben werden (Stichwort „Nichttriviale Systeme“). Anstelle von Kontrolle treten HandungsPRINZIPIEN: Der Job eines Innenverteidigers ist intuitiv klar, auch wenn man nicht jede seiner Bewegungen über die Spielzeit vorschreiben kann.

Biologisch, psychische und soziale Systeme sind nicht statisch, sondern organisieren sich fortwährend in einem dynamischen Prozess der Selbsterhaltung (Stichwort „Autopoiese“). Eine Fußballmannschaft beispielsweise schaltet von Abwehr auf Angriff um, betreibt Raum- oder Manndeckung oder versucht Tore zu schießen, ohne explizit dazu aufgefordert zu werden.

Schließlich wird das Prinzip der „objektiven Wahrheit“ zugunsten eines subjektiven Erkenntnisbegriffs aufgegeben (Stichwort „radikaler Konstruktivismus“ / „sozialer Konstruktionismus“. Deshalb ist für den Trainer das Unentschieden eine „passable Leistung“, während es für den Fan eine „bockschlechte Vorstellung“ war. Beide sprechen über das gleiche Ereignis, interpretieren es jedoch unterschiedlich.

So machen Sie Ihr Unternehmen VUCA-fest

Auch ein Unternehmen ist ein nichttriviales System, genau wie Fußball und (ungarische) Frauen. Daher sollten Unternehmen bestimmte systemtheoretische Prinzipien entwickeln, die das Überleben in einer VUCA-Welt erleichtern.

Zirkuläre Kausalität: Es sollten transparente, kurzfristige Feedback-Systeme eingeführt werden, um dynamische Rückkopplungen, Erfolg und Misserfolg baldmöglichst zu erkennen. Das können agile Projektmanagement-Methoden sein, aber auch informative, vielleicht sogar unterhaltsame All-hands-Mails über Projektstände, gewonnene Neukunden etc. Oder man wirft das jährliche Mitarbeitergespräch über den Haufen und trifft sich auf eher informeller Basis alle vier Wochen, um das Wichtige zu besprechen. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Kleine Ursache, große Wirkung: Unternehmen sollten die „Arroganz der Größe“ abbauen. Wir tendieren dazu, das Große für wichtig zu halten: hoher Umsatz, große Fabriken, hohes Gehalt. Aber es sind auch die kleinen Dinge, die wichtig werden können. Am besten hält man sich an das japanische Sprichwort: „Behandle große Dinge so, als wären sie klein – und kleine Dinge, als wären sie groß.“

Prinzipien statt Regeln: Detailregeln ersticken den Unternehmensalltag, schaffen eine Misstrauenskultur, sorgen für Denkfaulheit und sind sowieso nicht zu kontrollieren. Schaffen Sie daher Regeln ab und ersetzen Sie diese durch Prinzipien. Ein Prinzip weist in die Richtige Richtung, lässt aber noch Handlungsspielraum und die Verantwortung beim Handelnden. Diese Philosophie erfordert natürlich eine Vertrauenskultur.

Autopoiese: Fragen Sie, welche „ungeschriebenen Gesetze“, Prozesse und Verfahren Ihren Laden wirklich am Laufen halten. Das müssen nämlich nicht die auf dem Papier sein. Ein Unternehmen als nichttriviales System schafft sich manchmal seine eigenen Prozesse und Dynamiken. Übrigens geht es hier nicht um Moral oder Ethik. Sondern um das, was funktioniert. Ein System verstärkt das, was funktioniert und das Überleben sichert – und nicht, was im Leitbild steht.

Konstruktivismus: Objektivität ist – genau wie Kontrolle – letztlich eine Illusion. Selbst angeblich objektive Zahlen unterliegen einer Interpretation. Analysten, Banker und Buchhalter wissen, wie man eine „kreative Buchhaltung“ mit den ach so objektiven Zahlen führt. Führen Sie daher instrumente ein, mit denen man sich über die Wirklichkeit abstimmt. Das fängt bei konstruktiver (!) Gesprächsführung an und hört bei innovativen Entscheidungsinstrumenten noch nicht auf. Wirklichkeit ist nunmal das, wofür wir sie halten.

Machen Sie sich mit der VUCA-Welt und den systemischen Prinzipien vertraut. Dann haben Sie mehr Durchblick beim Fußball und mehr Erfolg in einer wirtschaftlich dynamischen und komplexen Welt. Und vielleicht auch bei ungarischen Frauen.

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