Unternehmen brauchen einen Paradigmenwechsel

Bild zweier Autos

Diese Woche war ich auf der Zukunft Personal in Köln und habe dort einige interessante Gespräche geführt. Natürlich war New Work ein großes Thema, und auch ich hatte die Gelegenheit, einen Vortrag zu halten unter dem Motto „New Work: Chancen und Impulse für die Arbeitswelt von morgen“.

Digitalisierung wird zu leicht als Heilsversprechen gehandelt

Irgendwann sprach mich jemand auf meine Darstellung der „3 D“ an: Digitalisierung, Demokratisierung und Dezentralisierung – meiner Meinung nach die großen Trends innerhalb der heutigen New Work – Bewegung. Er wollte wissen, was ich von der Digitalisierung hielte. Da liegt die antwortliche Überforderung schon in der Formulierung der Frage. Aber ein Aspekt war mir wichtig, und ich entgegnete: „Ich finde, die Unternehmen wollen mit der Digitalisierung oft Probleme lösen, die die Digitalisierung prinzipiell nicht lösen kann.“ Man sucht sein Heil in der Technik, weil sie so schön beherrschbar erscheint und die Ängste vor der unberechenbaren VUCA-Zukunft etwas mildert.

Unternehmen verwechseln Kultur mit Technik

Heutige Organisationen und ihre Führungskräfte sind geprägt von altem Denken, von Maschinendenken. Funktioniert eine Maschine nicht, reparier’ sie oder tausch’ sie aus. Funktioniert ein Mitarbeiter nicht: Reparier’ ihn oder tausch’ ihn aus (Stichwort: „Coachen Sie den mal auf Linie!“). Aber Menschen sind nun mal keine Maschinen mit Nahrungsbedarf. Deshalb glauben Führungskräfte auch, mit der Einführung eines neuen Chat-Tools oder einer „Collaboration Solution“ würden die Leute automatisch mehr miteinander reden. Ist aber Quatsch. Die Kultur bestimmt das Verhalten, nicht die Technik. Wenn ich vorher keinen Bock hatte, mit meinem Team-Nachbarn zu reden, weil ich den für blöd halte, mache ich das auch nicht mit dem schick designten Messenger.

Die neue Arbeitswelt braucht einen Paradigmenwechsel

Deshalb ist der Übergang von Unternehmen zu New Work und der neuen Arbeitswelt so schwer: Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Sie wollen neue Probleme mit alten Lösungen angehen, aber das funktioniert nicht. Neue Probleme wie Innovationszwang, Forderungen der Mitarbeiter nach Mitbestimmung oder das Erkennen neuer Kundenbedürfnisse erfordern neue Lösungen, keine alten Lösungen, keine aktionistische Digitalisierungsoffensive. If you digitalize a shitty process, it’s a digitalized shitty process. Das muss man erstmal akzeptieren. Diesen Paradigmenwechsel schafft ein Unternehmen in der Regel nicht allein, dafür braucht es externe Begleiter, die althergebrachte Regeln und die Kultur an die Oberfläche holen, spiegeln und einen Veränderungsprozess anbieten. Erst die Kultur, dann die Technik. Dann klappt’s auch mit dem Team-Nachbarn.

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