Visionen: Kraftquelle oder Bildstörung?

In dieser Woche gab es zwei interessante Artikel über Visionen: einen im MWOnline-Blog von Johannes Thönneßen, den anderen von Hugo Kehr bei Alltagsforschung. Während Kehr eher ins Wissenschaftliche geht und Tips zum Entwickeln einer persönlichen Vision gibt, schreibt Thönneßen über Sinn und Unsinn von Unternehmensvisionen.

Zwei Aspekte einer wichtigen Sache. Was ist denn Ihre Vision? Haben Sie überhaupt eine? Natürlich wollen wir alle Gesundheit, eine sichere Arbeit, keine Umweltverschmutzung und Fernsehen, das nicht anstrengt. Aber ist Ihnen das genug? Mir nicht. Mich interessiert, warum ich auf dieser Welt bin. Was ist der Sinn meines Daseins? Was ist der Sinn Ihres Daseins?

Manche sagen: Interessiert mich nicht. Solche Leute schlafen wahrscheinlich besser, begeben sich aber nie auf den abenteuerlichen Pfad zu den Wurzeln Ihres Seins, ihrer Bestimmung. Sehr schön sieht man das in den „Coming-of-age“-Filmen, in denen junge Leute sich aufmachen, die Welt zu erkunden, erwachsen zu werden. Sie sind getrieben von einer heroischen Sinnsuche, wollen die Welt verbessern, umstürzen. Auch die arabischen Revolutionen werden ja von der Jugend und den jungen Leuten angetrieben. Eine faszinierende Stuation, in der  sich die Kräfte ganzer Völker in einer einzigen Vision bündeln: nichts weniger als die Veränderung eines ganzen Systems.

Ganz anders in unseren westlichen Staaten. Wir sind oft müde, alt und satt. Wollen nichts mehr. Wir haben ja alles: Demokratie, ein funktionierendes soziales Netz, Wohlstand, im Weltmaßstab gesehen sogar schier unglaublichen Reichtum. Da fällt es leicht, abends ins Sofa zu fallen, in einem gewissen Sinn zufrieden zu sein und zu sagen: „Uns geht’s doch gut.“

Doch jetzt fordert uns die Welt heraus, holt unglaublich schnellt auf. Und auf einmal sind sie wieder gefragt, die Visionen, die kraftvollen Bilder, die Ideen für die Zukunft. Auch unsere Gesellschaft braucht deshalb Menschen mit Visionen und Charisma, die die Bevölkerung nach vorne ziehen. Und Sie, ja, SIE, können daran mitarbeiten. Stellen Sie sich schlicht folgende Fragen:

  1. Was haben andere Menschen davon, dass ich auf der Welt bin?
  2. Was ist für mich die wichtigste Sache in meinem Leben?
  3. Schlummern in mir unerfüllte Träume?
  4. Wofür „brenne ich“, was weckt meine Leidenschaft?
  5. Habe ich zu der Sache, die mich bewegt, klare, starke Bilder im Kopf?

Auf diese Weise kommen Sie Ihrer persönlichen Vision näher. Und letztendlich werden auch erfolgreiche Unternehmen nicht von „Visionen vom Reißbrett“ angetrieben, sondern von persönlichen Visionen des Gründers, der sie in einfachen, klaren Bildern kommunizieren kann. Übrigens: Wer als Unternehmen Visionen entwickeln will, dem sei dieses Buch von Peter F. Drucker empfohlen.

Tja, sind Visionen nun Kraftquelle oder Bildstörungen? Für mich sicher das erstere. Das hat wohl mit meiner religiösen Ader zu tun. Ich bin einfach kein Freund von mechanistischen Weltbildern. Es lohnt sich auf jeden Fall, einmal nach innen zu schauen und die eigenen Visionen zu suchen. Hat man sie nicht – auch gut. Findet man sie aber – dann wird nichts mehr so sein wie vorher.

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Frauke
9 Jahre zuvor

Also dieses Thema kann natürlich kontrovers diskutiert werden aber ich denke es ist eine Kraftquelle

Oliver Rumpf
9 Jahre zuvor

Was mich in dem Zusammenhang immer beschäftigt, ist die Frage: „Wann ist es ein Ziel, daß ich verfolge“ (und dafür brenne und es als Sinn meines Lebens ansehe) und „Wann ist es eine Vision“.

Ich denke viele können/wollen diese auch nicht so klar trennen. Eine Vision zu haben hört sich sicherlich besser an, als von einem Ziel zu reden.

Aber wann wird aus einem Ziel eine Vision?

Gruß
Oliver Rumpf

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