Wann ist Home Office sinnvoll?

Bild zweier Apple-Produkte

Die FAZ brachte vor einigen Tagen die Schlagzeile „IBM schafft das Home Office ab“ und fragte gleich hinterher, ob das Konzept Home Office „kläglich“ gescheitert sei. Das ist natürlich nicht der Fall, und auch die FAZ, hinter der ja angeblich immer kluge Köpfe stecken, sollte das wissen. Aber ein wenig Pulverdampf in der Headline kann nicht schaden, dachte man sich in der Redaktion. (Übrigens besteht der FAZ-Artikel praktisch komplett aus Fragmenten der Original-Meldung des Portals Quartz. Von der FAZ hätte ich hier mehr erwartet, aber gut. Wer sich für das Thema IBM und Home Office interessiert, sollte deshalb gleich den englischen Quartz-Artikel lesen.)

IBM, der agile Supertanker

Wie soll man die „Back to office“ – Aktion von IBM einordnen? IBM ist eines der sehr, sehr wenigen Unternehmen weltweit, die erfolgreich agile Konzepte und neue Ideen aufnehmen und global skalieren. Sie waren mit der Idee des Home Office früher dran als andere und jetzt sind sie der Konkurrenz wieder voraus. Wie das? Ist die Abwendung vom Home Office nicht ein klassischer Rückschritt? Das Eingeständnis, das man aufs falsche Pferd gesetzt hat?

Nein, das ist es nicht. IBMs Aktion hat eher etwas von „Zurück in die Zukunft“. IBM folgt schlicht den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Teamarbeit und Innovation, beispielsweise den Arbeiten von Peter Kruse zu Kreativität oder den Forschungen des MIT-Professors Alex Pentland zu High-Performance Teams. Insofern ist die Arbeitsweise von Home Office weder bei IBM noch anderswo „gescheitert“. Sie muss vielmehr nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft hinterfragt werden. IBM hat die Größe, genau das zu tun. Dafür spricht übrigens auch, dass laut Quartz-Artikel vor allem (aber nicht nur) „kreative“ Departments betroffen sind: Marketing, Design, IT und das „Watson“-Team.

Home Office macht Sinn – unter gewissen Umständen

Home Office als Arbeitsweise wird selbstverständlich eine wichtige Arbeitsform der Zukunft bleiben – allen Unkenrufen zum Trotz. Wir müssen es nur intelligent einsetzen. Home Office funktioniert gut, wenn einige der folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Der Mitarbeiter ist willens und in der Lage, sich und seine Arbeit diszipliniert zu strukturieren. Diese Fähigkeit kann man bis zu einem gewissen Grad erlernen, sie ist aber teilweise schon in der Persönlichkeit angelegt – oder eben nicht. Mitarbeiter und Führungskraft sollten gemeinsam aushandeln, ob im konkreten Fall eine autonome, selbstverantwortliche Arbeit „außer Sichtweite“ Sinn macht.
  • Die Technik muss stimmen. Habe ich im Home Office Zugang zu allen internen Dokumenten, die ich benötige? Ist die Datenleitung ausreichend? Lebe ich in einem Funkloch? Was sagt die IT Security des Unternehmens dazu? Solche Fragen müssen selbstverständlich abgeklärt werden, bevor man jemand ins Home Office schickt. Und auch ein Laptop, der noch nicht von Gummiband zusammengehalten werden muss, kann nicht schaden.
  • Die Aufgabe muss für Home Office geeignet sein. Wenn man Arbeiten hat, die man gut „im stillen Kämmerlein“ erledigen kann, ist Home Office durch die Möglichkeit zur Konzentration in der Tat ein Produktivitätsbooster. Verlagert man hingegen Meetings nur von der Face-to-face-Variante im Büro in die virtuelle Realität und muss den ganzen Tag vor der Waschmaschine Hang-Outs machen, ist das nicht das Gelbe vom Ei und auch nicht im Sinn von Home Office. So verlieren beide – der Mitarbeiter Motivation und das Unternehmen Produktivität.
  • Die Führung muss auf eine Home Office – Tätigkeit abgestimmt sein. Ist der Chef ein Kontroll-Freak, macht er dem Mitarbeiter auch im Home Office das Leben zur Hölle – durch Anrufe und Mails. In dem Fall bringt einem auch das „Asyl“ des Heimathafens nichts. Im Umkehrschluss gilt: Egal, ob Home Office oder Büro: Die Führungskraft muss vertrauen, und der Mitarbeiter muss zuverlässig liefern.

Wie seht ihr den Trend des Home Office? Was sind eure Erfahrungen damit?

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