Warum ich XING den Rücken kehre

Es gibt Momente der Wahrheit, in denen man Dinge auf einmal völlig klar sieht. In denen man erkennt: So und nicht anders muss es sein. Ich habe einen dieser Momente vor einigen Tagen erlebt; da las ich auf einer Finanz-Nachrichtenseite die Meldung:

Nachfrage nach New Work verhilft TecDAX in die Gewinnzone

Ich muss sagen: Da war ich „semantisch geschockt“. Im Text las ich dann folgende Sätze:

Angeführt wird die Indexrangliste zur Stunde von den Werten von New Work, Wirecard und RIB Software. Das größte Kursplus verzeichnet das Wertpapier von New Work.

Dazu muss man wissen, dass es hier um die New Work SE geht (vormals XING SE), die sich vor einiger Zeit umbenannt haben. Schon damals wurde dieser Move sehr kontrovers diskutiert, und auch ich habe mich hierzu durchaus kritisch geäußert. Aber ich wollte nicht den Stab über XING brechen; immerhin habe ich dort einige sehr nette Menschen kennengelernt, und der CEO Thomas Vollmoeller hatte 2016 auch das Vorwort zu meinem New Work – Buch „Arbeit – die schönste Nebensache der Welt“ verfasst. Außerdem schreibe ich bei XING als „Insider“ zum Thema New Work und erreiche dort pro Artikel durchschnittlich mehrere Tausend Leser. Damit will ich verdeutlichen, dass für mich auch Business auf dem Spiel steht, wenn ich XING verlasse. Trotzdem habe ich mich dazu entschlossen und werde meinen Account kündigen. Warum?

  1. Erstens geht es um Glaubwürdigkeit. 2017 veranstaltete XING die erste New Work Experience in Berlin. Dort war unter anderem auch Frithjof Bergmann, der Begründer von New Work, vertreten. Wie kam er dahin? Es war meine Idee und ich habe den Kontakt hergestellt zwischen XING und seinem Umfeld. In der Öffentlichkeit blieb hängen: Bergmann war bei der NWX. Sowas wie der Ritterschlag. Was eher unterging, war, dass er bei seinem Auftritt charmant, aber hart mit der Veranstaltung ins Gericht ging: zu Business, zu oberflächlich. Letztes Jahr hat er übrigens in einem Interview mit dem Personalmagazin nachgelegt und ganz allgemein die Business-New-Work-Ansätze als „Lohnarbeit im Minirock“ verspottet. Aber das nur nebenbei.
  2. XING springt im Moment wahnsinnig auf den New Work – Zug auf. Das kann man machen. Man kann auch 800 EUR für ein New Work – Experience Ticket verlangen. Aber das ist nicht meine Vorstellung von New Work. Wir hatten vor längerer Zeit mal eine Diskussion über New Work als „elitären Scheiß“ und das Thema schwelt immer noch nach. XING macht das große Fass auf. Das können sie gerne tun, aber mit der Umbenennung des Unternehmens in New Work haben sie einen Rubikon überschritten. Eine Firma sollte keine Bewegung vereinnahmen. Aber genau das passiert, wenn Meldungen wie die oben zitierte Schule machen. Dann ist irgendwann New Work = XING. Und da ist für mich persönlich definitiv Schluss.

Aus diesen Gründen habe ich mich nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, meinen XING-Account zu kündigen. Wäre ich nur ein „normaler“ Nutzer, würde ich es vielleicht nicht tun. Aber als aktives Mitglied der Bewegung und als – darf man das sagen? – Influencer, der bei XING Artikel zu New Work schreibt, geht es um meine persönliche Glaubwürdigkeit. Deshalb kehre ich XING den Rücken.

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