Wie unsere Gesellschaft Burnout erzeugt (Kapitel 1)

„Du erntest, was du säst“, verheißt ein Spruch. Diese Prinzip gilt ganz oft im Leben, auch im Burnout. Wir schaffen als Gesellschaft eine kulturelle Grundlage, auf der wir Burnout ganz hervorragend züchten. Das haben wir inzwischen so perfektioniert, dass mehrere Millionen Menschen in Deutschland diese „Burnout-Ernte“ einfahren.

Woher kommt diese gesellschaftliche Grundhaltung? Im ersten Kapitel meines Buches „Feierabend hab‘ ich, wenn ich tot bin“ geht es um genau diese Faktoren:

  • Das Missverständnis Arbeitsgesellschaft, das Arbeit und Beruf zur entscheidenden Stütze des Selbstkonzepts gemacht hat. Bricht es weg, sind wir oft verzweifelt und hilflos. Deshalb tun wir alles, um unsere Arbeit zu behalten, opfern uns auf bis zum Burnout.
  • Der kollektive Erfolgsgeilheitswahn. Alles und jeder muss erfolgreich sein, einen tollen, sinnerfüllenden Job haben, Geld haben, tolle Eltern sein, schlank, Nichtraucher etc. Der Erfolgs- und Gesinnungsterror hat uns so sehr im Griff, dass wir alle Bereiche des Lebens durchökonomisiert haben und daran ersticken.
  • Der moralische Blackout. Menschen sind nicht weniger moralisch geworden, aber die Moral atomisiert sich. Jeder baut sich sein eigenes kleines Erlösungshaus. A bisserl Christ, a bisserl Buddhist, a bisserl Shakra schütteln oder irgendwas anderes. Durch diese Zersplitterung gehen die großen Linien der Verantwortung verloren; in der Folge versagen die wichitgen Institutionen unseres Landes: Politik, Wirtschaft, die Kirchen, die Presse.
  • Der lonesome ranger, der „einsame Reiter“, der von der postmodernen individualisierten Gesellschaft erzeugt wird. Diesem Kern-Persönlichkeitszug, in dem sich viele Burnout-Betroffene wiederfinden, widme ich ebenfalls einen eigenen Abschnitt.

Erst auf der Grundlage dieser gesellschaftlichen Entwicklungen können wir das Wesen des heutigen Burnout überhaupt erst verstehen und richtig einordnen. Diese kulturell-psychologischen Dynamiken wiederlegen auch die These vom „Einzelopfer“, die immer noch so gerne, auch von der Mainstream-Presse, bedient wird.

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andreas lohfink
Gast
andreas lohfink

Man sollte allerdings nicht vergessen, dass man beim BurnOut auch auf gewisse Hilfen angewiesen ist. Dieser Zustand ist alleine so gut wie unbezwingbar. Deswegen finde ich, dass das Wort Eigenverantwortung beschränkt genutzt werden sollte.

Anton Hubrecht
Gast
Anton Hubrecht

Das Burn-Out-|Syndrom baisert meiner Meinung nach ebenfalls auf Eigenverantwortung. Wer regelmäßig in diesen Zustand kommt, kann diesen durch Psychologen minimieren. Ihr Artikel ist wirkich sehr genau geschrieben und informativ.

Geist und Gegenwart
Gast
Geist und Gegenwart

Vielen Dank für Ihre sehr interessanten Gedanken zu einem Modethema. Was halten Sie von der These von Ursula Schütze-Kreilkamp, Leiterin Executive Development der REWE Group gelesen: Sie stellt Aspekte in den Vordergrund, die bei der “Diagnose” Burn-Out gänzlich zu kurz kommen: Selbstreflexion und Eigenverantwortung. Denn wer “Burn-Out” ruft, ist auf der Suche nach äußeren Verursachern und die Eigenverantwortung wird dabei schon im Ansatz vernachlässigt. Für mich schließt sich die Frage an, woran es bei der Selbstreflexion scheitert? Ist das nur individuell oder auch strukturell? Sicher etwas von beidem: http://www.geistundgegenwart.de/2012/03/burn-out-kultur-selbstreflexion-und.html

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