Wieviel Konkurrenz verträgt die Wirtschaft?

Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es. Und Konkurrenz bildet schlicht das Schmiermittel des Kapitalismus: Wer bietet bessere Qualität zu einem günstigeren Preis und hat darüber hinaus das begehrenswerteste Image? Diesem Dreisatz aus Geld, Qualität und Image folgen naturgemäß alle Unternehmen einer Marktwirtschaft.

So weit, so gut. Doch natürlich kann man den Bogen auch überspannen – wie aktuell in der Autobranche zu besichtigen. Dort rennen manche Manager bereits wieder mit dicken Zigarren im Mund herum und feiern neue Absatzerfolge. Wohlgemerkt nicht in Europa, sondern in China oder Amerika. Vorsicht und ein wenig Demut wären hier also sowieso angebracht.

Unter der neuen Arroganz der Autobauer leiden zunehmend – wieder einmal – deren Zulieferer. Schon vor der Wirtschaftskrise geriet bei manchen die Kalkulation zum Ritt auf der Rasierklinge. Geringe Eigenkapitalquoten und niedrige Margen prägen das Bild. Umso mehr hätte man vermuten sollen, dass eine gemeinsam überstandene Krise aus Zulieferern und Autobauern den Blick für gegenseitige Abhängigkeiten schärft und auch im Einkauf von Audi, BMW und anderen Herstellern etwas Vernunft einkehren lässt.

Weit gefehlt. Folgt man den neuesten Berichten des manager magazins, beginnt die Autobranche wieder fleißig, ihre Zulieferer auszusaugen. Und hat anscheinend schon verdrängt, dass in dieser Sparte über 350 Firmen während der Krise Pleite gegangen sind. Haben die denn gar nichts gelernt? Gilt es in den Einkaufszentralen immer noch als schick, den Kopf eines Zulieferers als Trophäe an die Wand zu nageln?

Wie das Beispiel Autobranche zeigt, brauchen wir eine neue Dynamik zwischen Konkurrenz, die die Preise des Einkaufs diktiert und einer neuen Form von Kooperation im Sinne von Leben und leben lassen. In der Regel säge ich nämlich  nicht an dem Ast, auf dem ich sitze. Außer ich bin lebensmüde oder völlig ignorant. Sogar die Unternehmensberatung Roland Berger spricht inzwischen von „brutalen Preisnachlässen“, die die Autobauer forderten und raten dazu, „die Balance zu verbessern“, weil man sonst auch dringend benötigten Innovationen der Zuliefer-Branche den Saft abdrehe.

Wohlgemerkt: Nichts spricht gegen harte Verhandlungen und dass ich am Konferenztisch die Ziele meines Unternehmens im Auge behalte. Trotzdem sollten nicht nur die Auto-Hersteller ihre Prioritäten überprüfen. Es geht nicht nur um Einkauf und Finanzen – die aus Angstgründen in vielen Unternehmen das Ruder übernommen haben -, sondern auch um gegenseitige Fairness. Ein antiquierter Wert, ich weiß. Und selten gehört in einer Zeit, in der jeder nur noch sich selbst retten will. Trotzdem bedenkenswert. Vernünftige Konkurrenz? Natürlich. Und ebenso maßvolle Kooperation. Denn ohne Vertrauen und Kooperationen wird auch die Autobranche die nächsten 30 Jahre nicht heil überstehen.

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Seit Anfang 2020 bin ich Geschäftsführender Gesellschafter der humanfy GmbH und habe meine geschäftlichen Aktivitäten dorthin verlagert.

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