Wir müssen reden!

Die Oscars dieses Jahr sollen ja ein riesiger Skandal gewesen sein. Und alles wegen einer Karte. Einer Karte! Zugegeben, zunächst den falschen Siegerfilm auszurufen, ist peinlich. Aber um mit meinen amerikanischen Freunden zu sprechen: So what?! Zwei von vier Einzelpreisträgern waren schwarz, der Preis für den besten ausländischen Film verlieh man an ein iranisches Drama und auch um Politik ging es wenigstens ein wenig bei der diesjährigen Oscar®-Verleihung. Aber der SPON-Kommentator redet sich drei Minuten den Kopf heiß wegen einer überforderten Faye Dunaway, die anscheinend nicht mehr so gut lesen kann.

Wir vergeuden unsere Zeit mit Nebelkerzen

Ich habe diese Fake-Skandalisierung so satt. Wen interessiert ein so nebensächlicher Oscar®-Pannen-Dreck? Ich habe schon länger die Konsequenz gezogen und schaue keine Tagesschau mehr, ab und zu höre ich noch Bayern 5 Aktuell, aber ansonsten schalte ich auf medial auf stumm. Ich habe schlicht zu wenig Lebenszeit für diesen Nebenkriegsschauplatz-Müll. Manchmal habe ich den Eindruck, wir  unterhalten uns absichtlich nicht mehr über die wichtigen Fragen, weil sie entweder überfordern (Komplexität!) oder wir Angst vor der Antwort haben. Stattdessen werfen wir gegenseitig Nebelkerzen und diskutieren sinnlose oder nebensächliche Themen – persönlich, wirtschaftlich, politisch.

Auch Unternehmen machen das Nebelkerzen-Spiel mit

Wann hatten Sie das letzte echte Gespräch mit Ihrer Führungskraft – oder Ihren Mitarbeitern? Nach meiner Erfahrung sind Unternehmen sehr gut darin, echte Gespräche über wichtige Themen zu verdrängen bzw. abzublocken und stattdessen Business-Quark anzurühren. Beispielsweise wenn

  • in einem Meeting unwichtige Zahlen referiert werden, die keinen interessieren, weil sie einfach nicht relevant sind,
  • man im Mitarbeitergespräch Feedback-Bögen austauscht statt sich tatsächlich zu unterhalten,
  • Kollegen kleingemacht werden und man selbst aus Feigheit schweigt,
  • das Team oder die Führungskraft falsche Entscheidungen treffen, nachdem man jede Diskussion abgewürgt hat,
  • man sich in der Kaffeeküche über jemanden das Maul zerreißt, ohne Gerüchte zu hinterfragen.

Es ist natürlich leichter, sich hinter Zahlen und Prozessen zu verstecken oder sich über irgend etwas oder irgend jemand aufzuregen. Aber letztlich hilft das niemandem. Wir sollten die Nebelkerzen wieder einstecken und echte, wichtige Gespräche führen.

Respekt, Ehrlichkeit und Relevanz sind die Gradmesser guter Gespräche

Man hört ja heute viel über Unternehmenskultur, New Work, neues Arbeiten und so weiter. Dabei ist manches tatsächlich neu, anderes wieder um im Grunde bekannt seit Omas Zeiten. Dazu zählt beispielsweise eine konstruktive Gesprächskultur. Und auch wenn es seltsam erscheinen mag, das extra zu betonen: Es wird Zeit, dass wir diese Kultur in unseren persönlichen Gesprächen, in der Business-Kommunikation, in den Medien und der Politik wieder lernen. Hierbei zählen vor allem drei Dinge: Respekt vor dem Gegenüber, Ehrlichkeit vor sich selbst und in der Sache, Relevanz des Themas und der Information.

Machen Sie den Faktencheck

Viel ist heute die Rede von Fake-News, vom „postfaktischem Zeitalter“ und dem Gedröhn sinnentleerten Phrasengepolters. Machen Sie dabei nicht mit. Das Leben ist dafür zu kurz, und Ihre Arbeit zu viel wert. Starten Sie Ihren eigenen Faktencheck! Prüfen Sie in Meetings, in Gesprächen, aber auch in Emails etc.: Ist das respektvoll, erhlich, relevant, was hier gerade passiert? Was auch ich persönlich zu dem Thema beitrage? Übrigens: Auch ein Schulterklopfen, ein Lob als „weiche Kommunikation“ kann respektvoll, ehrlich und relevant sein. Dafür brauchen Sie keine rechtfertigende Business-Hülle aus Zahlen, Daten, Fakten (die wir Deutschen so lieben). Kleben Sie ein Post-It an Ihren Rechner mit drei Worten: Respekt. Ehrlichkeit. Relevanz. Faye Dunaway wird es Ihnen danken.

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