Wir sind für die Stille gemacht

Wann war es das letzte Mal still um Sie? Ich meine: so richtig still? Dass man das Eigenrauschen in den Ohren hört. Dass der Moment etwas Zerbrechliches bekommt, man ihn halten will und doch weiß: Gleich ist er vorbei.

Dann taucht man wieder ein in das lärmende Chaos des Alltags, peinigt seine Sinne mit Verkehrskrach, Bürogeschnatter und Smartphone-Piepen. Und vergisst: Wir sind für die Stille gemacht. Das Ohr ist um viele Male empfindlicher als das Auge. Doch das Auge können wir schließen, es schützen. Das Ohr nicht. Das Ohr ist ständig auf Empfang, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Und auch das Ohr ist für die Stille gemacht – nicht für das Geräusch, wie man annehmen könnte. Schon Stefan Zweig wusste: Auch die Pause gehört zur Musik. Und mehr noch: Als Kontrapunkt definiert sie erst das Wesen der Musik. Ewiges Gedudel nervt. Der Fahrstuhl und das Kaufhaus lassen grüßen.

Wenn wir für alle unsere Rollen (Eltern, Führungskraft, Kollege, Tennispartner etc.) eine Stimme brauchen, brauchen wir für unser Innerstes eine ebenso mächtige Stimme: das Schweigen. Nur im Schweigen können wir uns selbst hören. Nur im Schweigen berteten wir die Kathedrale der Stille in uns, die unsere Geheimnisse enthält, unsere Stärke, unsere Sehnsüchte.

Nicht umsonst verlieren viele Menschen heute das Gefühl für sich selbst, verlieren ihren Kompass und fragen sich: Wer bin ich wirklich? Was will ich? Sie haben sich von der Stille und der Stimme in ihrem Inneren abgeschnitten. Verdursten, während die Oase gleich nebenan wartet. Denn es wäre so leicht. Einfach abschalten, in die Stille gehen. Wirklich leicht? Manchmal nicht. Manchmal erfordert es Mut, sich mit dem eigenen Ich zu konfrontieren. Denn manchmal erschreckt uns das, was wir finden, wenn wir in die Stille gehen.

Dennoch: Gehen Sie in die Stille. Wir brauchen sie wie die Luft zum Atmen. Nur aus der Stille wächst die innere Stimme, der Kompass, die Kraft. Nur hier begegnen wir uns selbst. Nicht im Lärm, nicht in der Hektik des Alltags. Sondern in der Stille, in der Sanftheit, im Schweigen.

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Stephanie Wagner
Gast
Stephanie Wagner

Lieber Herr Väth,
was für ein wunderbarer, wohltuender Artikel! Dieses pssst… auch mal still werden, stehenbleiben, sich selbst zuhören und fühlen – davon brauchen wir alle viel mehr. Ist auch eines meiner Lieblingsthemen, gerade im Business. Danke! 🙂

„Wer mit der bitteren Abrechnung eines Ex-Insiders rechnet, irrt. Väths Buch macht Spaß und hilft weiter. Klare Empfehlung!

Human Resources Manager

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