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Kindergarten

Wenn es nach der Zukunft der Personalarbeit geht, kann man die Personaler abschaffen. Alles, was ein Personaler können muss, schafft auch eine Erzieherin im Kindergarten. Und die hat dazu noch die passende Ausbildung.

Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie sich mal die hippen Trends 2016 für die Personalbranche an: „Visual Storytelling“, „Bite-Sized Learning“ und „Gamification“. Ich übersetze mal ganz kurz: „Bitte Bilder statt kompliziertem Deutsch“, „Bitte nur kleine Häppchen, sonst explodiert mein Gehirn“ und „Bitte spielt mit mir, denn der Ernst des Daseins überfordert mich.“

Et voila, das ist Kindergarten: „Tobias, schau mal, das ist der blaue Elefant. Süß, nicht? Und jetzt guck mal, wie er mit dem gelben Löwen spielt.“ (Visual Storytelling). „Ramona, wir machen heute nur das Mini-Memory. Das große ist noch zu schwer für dich.“ (Bite-sized learning). „Ellen, Leo: Wir spielen jetzt: Wer ist als erster mit dem Zähneputzen fertig, okay?“ (Gamification)

Nichts gegen neue Ansätze in der Erwachsenenbildung. Aber hier wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Wie will man denn die Mitarbeiter ernstnehmen, wenn man ihnen auf dem Dutzi-Dutzi-Niveau kleine Wissenshäppchen serviert? Und dann noch sagt: Ist alles nur Spaß? Was ist denn das für ein Menschen- und Bildungsbild?

Aber diese „Trends“ passen in eine Welt der geistigen Verzwergung, der Feelgood-Manager und LiLaLaune-Events. Mit einer solchen Verniedlichung und Infantilisierung von Lernen und Wissen schafft sich Personal ab. Wer sich nicht selbst ernstnimmt, wird auch nicht ernstgenommen. So, Ramona, das kannste jetzt nachspielen.

Photo © Gerti G. | photocase.com

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