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So gehen Sie mit „Ja, aber“ – Menschen um

Neulich im Büro. Frau Hegel erklärt Herrn Meier ausführlich, was er zu tun hat und was sie von ihm erwartet. Doch statt sich ans Werk zu machen, startet Herr Meier eine Gegenrede und beginnt mit „Ja, aber…“. Also macht Frau Hegel einen neuen Vorschlag, der wiederum mit „ja, aber“ gekontert wird. So geht das einige Zeit. Bis Frau Hegel es aufgibt und im Stillen den Entschluss fasst, beim nächsten Mal die Aufgabe gleich selbst zu erledigen.

„Ja, aber“-Menschen gehören zu den eher anstrengenden Zeitgenossen. Im Coaching sind sie die Sorte Klient, die einen unerfahrenen Coach in die Lösungsfalle laufen lassen: Der Coach fühlt sich in die Retter-Rolle gedrängt und produziert Lösung auf Lösung (was er ja sowieso nicht tun sollte), die darüber hinaus auch noch jedesmal bedenkenträgerisch vom Klienten abgewehrt wird. Aber was steckt eigentlich hinter dem „Ja, aber“ – Syndrom?

Solche Menschen spielen mit ihrer Umwelt „emotionales Gummiband“ oder wie das Sprichwort sagt: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass.“ Zuerst signalisieren sie Aufeinanderzugehen und Verständnis („ja“), um im gleichen Atemzug den anderen und dessen Engagement für einen selbst wieder  abzustoßen („aber“). Konstruktiv ist das nicht.

Aus diesem Grund sind „Ja, aber“- Menschen für ihre Umwelt – gerade auch am Arbeitsplatz – quasi Energievampire, die vor allem an sozial engagierten Menschen andocken. Denn diese sozial engagierten Kollegen sind in der Regel offensiv, konstruktiv, packen die Dinge an und denken, der „Ja, aber“ – Mensch müsste doch auch positiv auf ihre Lösungsvorschläge reagieren. Weit gefehlt. Denn dem „Ja, aber“-Menschen geht es nicht um eine Lösung, sondern um die Bestätigung seiner Bedenken und dass er seine Komfortzone nicht verlassen muss. In diesem Sinne finden solche Menschen in der Regel immer Gründe für das Beharren in ihrer Position, aber keine Wege, sich daraus weiter zu entwickeln.

Wie geht man nun mit solchen Menschen um?

Als erstes müssen Sie raus aus dem Gummiband-Spiel. Widerstehen Sie dem Drang, für den „Ja, aber“ – Menschen Lösungen zu produzieren. Wie gesagt, geht es ihm gar nicht um eine Lösung, sondern um eine innere Rechtfertigung, dass ja doch alles so schwierig ist und er sich deshalb auch nicht bewegen muss. Grenzen Sie sich deutlich ab und investieren Sie weder  emotional noch rational in eine gemeinsame Lösung. Der „Ja, aber“ – Mensch muss lernen, dass sein Vor und Zurück im Gummibandspiel nicht mehr zieht. Das ist für ihn der erste Lernschritt.

Als zweites müssen Sie sich von der gefühlten Verantwortung lösen. Auch wenn Sie sonst im Unternehmen engagiert und konstruktiv agieren: Der „Ja, aber“ – Mensch ist nicht auf Ihrer Ebene unterwegs. Er denkt nicht in konstruktiven Lösungen, sondern in Kategorien der Selbstbestätigung. Wenn Sie weiterhin Verantwortung für ihn übernehmen, verstärken Sie den Energievampir-Effekt. Das muss nicht sein. Sie sind schließlich nicht seine Mama.

Und schließlich brauchen „Ja, aber“ – Menschen klares Feedback ohne große Diskussion. Man darf das „Ja, aber“ nicht mehr gelten lassen. Das ist ein Reifungsprozess bei beiden Gesprächspartnern. Doch Vorsicht: Selbstverständlich gibt es auch Situationen, in denen „normale“ Kollegen ein „ja, aber“ produzieren. Dieses müssen Sie dann ernstnehmen und sich damit auseinandersetzen. Doch den Unterschied zwischen den beiden Menschentypen merken Sie mit Sicherheit. Machen Sie beim nächsten Meeting einfach mal den Test…

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Anonym
Gast
Anonym

Ich kann den Beitrag nur bestätigen und erlebe es gerade selbst in meinem Unternehmen. Es ist zeit- und energieraubend mit derartigen Mitarbeitern. Selbst wenn einstimmig zu 100% feststeht, dass das Arbeitsergebnis falsch ist, weil Fehler passiert sind, wird gegendiskutiert mit „ja aber“. Fehler passieren schon mal – dafür haben wir das 4-Augen-Prinzip und letztendlich wird es nachbearbeitet. Um aus diesen Fehlern zu lernen gebe ich ruhig und sachlich Tipps, Arbeitsanweisungen und Checklisten um künftige Fehler zu vermeiden, effizienter zu arbeiten und dann kommt es wieder: „ja aber“…oder „ich mach das immer so“ da kommen keine konstruktiven Vorschläge sondern reine Selbstverteidigung… Weiterlesen »

Vincent Klimkowicz
Gast
Vincent Klimkowicz

Klares „Nein“ für dieses Statement, wer nicht auf die Bedenken und Unsicherheiten anderer eingehen kann und will, sich nicht mit dem eigentlichen Grund des „ja, aber“ auseinandrsetzen kann, denjenigen als „Ja, aber-Mensch“ abstempeln muss – sollte definitiv nicht anderen sagen wollen, wie manches besser geht oder sich als Coach ausgeben…….. Hier wurde ein denkbar schlechtes Beispiel gewählt! Wenn schon unbedingt die Krücke einer Typisierung gebraucht wird, um überhaupt der vielfältigen Ausprägungen Herr zu werden, dann sind gerade jene mit ihren „ja, aber“ die effizientesten Mitarbeiter im Team. Im übrigen gibt es sicher noch mehr als die 2 bekannten ganz einfachen… Weiterlesen »

Axel Maluschka
Gast
Axel Maluschka

Gegenüber Ja-aber-Menschen hilft meiner Erfahrung nach klare Kommunikation.

Entweder bin ich in der Position und/oder Situation, dass ich eine „aber“ nicht gelten lasse. Dann muss ich allerdings auch konsequent handeln, falls mein Ja-aber-Gegenüber seinem üblichen Muster folgt.

Oder aber ich mache ihm klar, dass meine Vorschläge Impulse und Empfehlungen sind und es an ihm selbst liegt, ob er sie nutzt. Dann mache ich klar, dass ich nicht sein Papa bin und jeder über seine eigene Entwicklung selbst entscheidet.

Marc Reiß
Gast
Marc Reiß

Ja aber Menschen können auch in ganz alltäglichen Dingen keine 100% Entscheidung treffen. Wenn wir sie uberzeugen oder zu etwaige bewegen wollen, dann am besten indem wir unser Angebot an Sie gleich wieder zurück ziehen und einen Grund benennen, wieso unser Angebot für die Ja, aber-Person nicht das Richtige ist.

Anonym
Gast
Anonym

Guter Tipp, das sieht aus als ob das Spiel umdrehen. Haben Sie wirksame Beispiele dafür, daß es auch funktioniert?