Führung

Über finanzielle Verantwortung

Ich bin kein knausriger Typ. Aber auch kein Geldverschwender. Als Unternehmer überlege ich mir sehr gut, worin ich investiere. Ist die neue Software ihr Geld wert? Die Bürorenovierung für einen fünstelligen Betrag auch? Und egal, wie meine Entscheidung ausfällt, ich habe stets das Für und Wider abgewogen. Nicht nur, weil es manchmal um viel Geld geht. Sondern, weil es um mein Geld geht, um meine Verantwortung, klug damit umzugehen.

Bei mir im Dorf wohnen Menschen, die wirklich sparen müssen, damit sie über die Runden kommen. Sie müssen harte Entscheidungen treffen, um ihre Familie zu ernähren. Sie schaffen das, was mir jedesmal, wenn sie mir von ihrem täglichen Ringen erzählen, höchsten Respekt abverlangt. Ich halte übrigens die Phrase von sogenannten „sozial Schwachen“, wie sie die Medien gern verwendet, für diffamierendes und verächtliches Gerede. Wenn, dann gibt es höchstens „finanziell Schwache“, die mit wenig bis sehr wenig Gütern über die Runde kommen müssen. Aber das nur am Rande. Um mich herum leben bodenständige Leute, die nichts zu verschenken haben. Sie wissen: Wenn es um Geld geht, braucht es persönliche Verantwortung und Sorgfalt.

Genau diese Verantwortung und Sorgfalt gehen mir in der Politik ab. Ich habe dafür eine Faustformel entwickelt: Je „fremder“ das Geld ist, über das ich entscheide, desto leichter treffe ich unvernünftige, unökonomische Entscheidungen. Schauen Sie sich nur das aktuelle Beispiel der Bundeswehr an. Von der Leyen verballert bis zu 150 Millionen Euro pro Jahr (!) für McKinsey & Co. Dabei entblöden sich die Verantwortlichen im Verteidigungsministerium nicht einmal, diese externe Beratungen unter anderem aufgrund ihrer, Achtung, „Fachexpertise in der Möbelberatung“ zu engagieren. Als ob die Bundeswehrler selbst zu doof wären, über Tische und Stühle zu entscheiden. Wie fühlt sich eigentlich so ein Offizier, wenn ihm so ein „Möbelberater“ gegenübersitzt und ihn fragt, welche Farbe sein Schreibtisch haben soll? Beratungsaufträge in solcher Höhe sind immer ein Armutszeugnis für den Auftraggeber, zeigt es doch, dass er in wesentlichen Punkten der Organisation und Führung versagt hat. Und statt die Kompetenz im eigenen Haus zusammenzukratzen, versetzt er der internen Motivation und dem hauseigenen Geldbeutel den Todesstoß, indem er das Geld der Steuerzahler irgendwelchen Beratern in den Rachen wirft.

Womit wir wieder beim eigentlichen Punkt angekommen wären: Geld und Verantwortung. Ich glaube, dass Politiker, egal wie kompetent sie sind, irgendwann den Bezug zur finanziellen Realität verlieren. Das geht gar nicht anders. Wenn Sie als Bundestagsabgeordneter fast 10.000 EUR pro Monat verdienen, und zwar, das ist das Entscheidende, entkoppelt vom Leistungsprinzip, brauchen Sie schon einen sehr starken Charakter, um nicht irgendwann abzuheben. Dann fällt es leicht, Geld auszugeben, denn es ist nie Ihr eigenes Geld, sondern das der Steuerzahler. Tut einem persönlich nicht weh. Wenn mein Nachbar nicht weiß, wie er die Rate für sein Auto bezahlen soll: Das tut weh. Wenn ein Unternehmer 500.000 EUR für eine neue Maschine ausgibt und sie sich nicht rentiert: Das tut weh. Aber wenn ein Minister das Geld der Steuerzahler in den Sand setzt (BER! Bundeswehr! Atomausstieg!), tut ihm das nicht weh. Schlimmstenfalls wird er nicht wiedergewählt und bezieht eine lebenslange Pension – ein sehr überschaubares persönliches Risiko.

Meiner Meinung nach ist dieser mentale Defekt, dieses persönliche finanzielle Nullrisiko von Politikern ein wichtiger Faktor für Fehlentscheidungen, Geldverschwendung und entsprechende Politikerverdrossenheit (nicht: Politikverdrossenheit). Wir bräuchten daher im politischen System einen Mechanismus, der in den Politiker-Köpfen den Zusammenhang zwischen Geld und Verantwortung sicherstellt. Damit sie nicht abheben. Vielleicht sollten wir einen Teil der Abgeordneten-Diäten als variablen Anteil auszahlen, nach Erfolgsmessung. Oder einen Verteilungsschlüssel kreieren, nach dem sie sich wie ein Unternehmer an den von ihnen verantworteten Investitionen beteiligen müssen. Auf irgendeine Art und Weise brauchen Politiker wieder ein Gefühl für den Zusammenhang zwischen Geld und Verantwortung, einen persönlichen Zugang. Das meine ich ernst. Sonst produzieren wir Verlierer auf beiden Seiten: Die Steuerzahler verlieren Geld und die Politiker weiter an Respekt.

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