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Wer KEINE Visionen hat, sollte zum Arzt gehen

Kürzlich las ich einen Wirtschaftsartikel. Dort stand, Dinge wie eine Robotersteuer oder ein Grundeinkommen seien „Star Trek“: utopisch, weltfremd, „kommunistisch“ und noch einiges anderes mehr. Positive Differenzierungen las ich nicht.

Wieder einmal fiel mir auf, wie satt, träge und uninspiriert manche wirtschaftlichen oder politischen Kommentatoren denken. Es muss ja nicht gleich das Grundeinkommen sein, über das wir diskutieren. Aber wie wäre es mit ein wenig TechnikFREUNDLICHKEIT? Oder mit einem „Ärmel hoch“-Ruck, um die wirklich wichtigen Dinge wie Altersarmut, Dumpinglöhne oder die marode Infrastruktur zu diskutieren?

Stattdessen verlieren wir uns als ganze Gesellschaft in Scheindebatten wie dem Fahrverbot für Dieselautos. Das ist unwürdig und lächerlich. Was hier an Energie, Zeit und Geld verschwendet wird! Natürlich haben die Autokonzerne bei der Abgasmessung betrogen und sie sollen dafür auch finanziell büßen. Aber das ist ein Haftungs- und Rechtsproblem. Und kein Thema, wovon sich eine Gesellschaft wochenlang dauerhypnotisieren lassen sollte.

Die Diesel-Hysterie ist nur ein Beispiel unter vielen. Dass solche Diskussionen überhaupt länger am Kochen gehalten werden können, liegt meiner Meinung nach daran, dass wir als Gesellschaft nicht mehr zwischen wichtigen und unwichtigen Themen unterscheiden können. Wir sind satt, faul und dekadent geworden. Anders kann man den mentalen Zustand unserer Gesellschaft nicht beschreiben. Es fehlen die großen Linien, die gewagten Entwürfe: von der Politik über die Wirtschaft bis hin zur Zivilgesellschaft. Wir verlieren uns in hasserfüllten Facebook-Postings, hysterischen Debatten und in der Frage, ob wir in dieser auseinanderdriftenden Gesellschaft genug vom Kuchen abbekommen. Es ist traurig und abstoßend.

Wir mögen Exportweltmeister sein oder technologisch – noch – in einigen Branchen tonangebend. Innovatorisch oder gar mutig sind wir als Gesellschaft schon lange nicht mehr. Keine Vision, nirgends. Nur Klein-Klein und Auf-Sicht-Fahren. In dem wirklich außergewöhnlichen Kinderbuch „Rumo und die Wunder im Dunkeln“ wird der Held gefragt, wieso er so wenig esse. Seine Antwort ist bemerkenswert: „Ich bin lieber wach und hungrig als satt und schläfrig.“

Genau da müssen wir wieder hin. Wir müssen als Gesellschaft wieder einen Hunger auf morgen entwickeln, wir müssen Visionen diskutieren, die den Menschen Hoffnung geben – und nicht nur die Aussicht auf 2,50 EUR mehr Rente. Diese intellektuellen Bankrotterklärungen der Politik und auch der Wirtschaft, dieses hilflose Gestammel auf entlarvende Interview-Fragen sind beschämend für jeden denkenden Menschen.

Es ist daher die Pflicht, jedes verantwortlichen Menschen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, eine Vision, einen persönlichen Zugang zur Zukunft zu entwickeln – zumindest für sein eigenes Leben. Selbst dadurch würde etwas in sein berufliches Handeln heilend ausstrahlen. Besser wäre noch der Mut, unter Risiko verändernd in die eigene Arbeit oder gar in den gesellschaftlichen DIskurs einzugreifen. Das kann nur, wer Visionen oder wenigstens Vorstellungen einer besseren Zukunft hat. Alle anderen sollten zum Arzt gehen. Und zwar schnell.

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