Digitalisierung

Wie die Digitalisierung mich vor der Obdachlosigkeit bewahrte

Bild eines Mannes, der ein Smartphone hält

Dies ist eine Geschichte von unfassbarem Ärger und unfassbarem Glück. Manchmal macht man nämlich Erfahrungen, die man echt nicht braucht. Und die einem wieder mal klar machen, wie weit der Weg nach New Work ist.

Ich schreibe diese Kolumne von Frankfurt aus, von meinem Hotelzimmer. Und auch das ist ein großes Glück, wie sich später noch herausstellen wird.

Gestern abend war ich noch in Kassel und hielt einen Vortrag über New Work. Unter anderem wurde viel über das Thema Werte diskutiert, wie man Mitarbeiter beteiligt, was an der Werte-Debatte realistisch ist, was nicht und so weiter. Ich wusste, ich muss nach der Veranstaltung zum Zug, und hatte auch gut geplant. Lief auch alles easy. Der Zug hatte zwar über 30 Minuten Verspätung, aber das störte mich nicht weiter. War ja Ende vom Tag, nur noch ins Hotel und schlafen.

Wegen der Verspätung schickte ich eine SMS ans Frankfurter Hotel, dass ich erst um 23.30 in Frankfurt sein würde. Es kam keine Antwort, aber gut. In Frankfurt angekommen, lief ich ins Hotel. Und es war zu. Bumm. Nur eine Telefonnummer als Kontakt. Ich rief natürlich dort an:

Ich: „Ja, hallo, ich stehe vor Ihrem Hotel und komme nicht rein!“
– [Gebrochenes Deutsch] „Wie? Rezeption zu, alle nach Hause.“

Ich: „Ja , das kann schon sein. Ich hatte Ihrem Mitarbeiter aber rechtzeitig eine SMS geschickt, dass es später wird. Es gab keine Reaktion.“
– „Kann nix machen. Alle weg. Sie müssen anderes Hotel suchen.“

Ich: „Moment, ich habe bereits für das Zimmer BEZAHLT! Und es ist Messe-Zeit, da gibt’s nichts mehr!“
– „Kann nix machen. Sie müssen morgen wiederkommen.“

Und aufgelegt.

Da stand ich jetzt, nachts um zwölf in Frankfurt, ohne Hotelzimmer, ohne Kontakt und überlegte ernsthaft, ob ich in die Bahnhofsmission gehe. Was tun? Ich zog mein Smartphone aus der Tasche, lud booking.com und suchte ein neues Hotel. Also, für JETZT. SOFORT. In Frankfurt. Zur Messezeit. Ja, ich hätte auch gelacht, wenn’s nicht so ernst gewesen wäre.

Ich winkte ein Taxi und nannte dem Fahrer irgendeine Adresse. Hauptsache, schon mal fahren. Und dann geschah das Wunder: Das Tokyo Inn hatte noch genau EIN Zimmer, das ich mit fliegenden Fingern buchte. Im Halbdunkel des Taxis zerrte ich meine Kreditkarte heraus, um den Vorgang abzuschließen. Es ging gut, und im Endeffekt hatte ich nachts um halb eins ein neues Hotelzimmer – was ich immer noch für ein echtes Wunder halte. An der Rezeption kamen direkt hinter mir noch Leute rein, die nichts mehr bekamen: „Sorry, we’re fully booked!“ Ich hatte in diesem Riesenkasten buchstäblich das allerletzte Zimmer bekommen.

Warum schreibe ich das? Natürlich ärgere ich mich über das Hotel und das verlorene Geld. Der springende Punkt an der Geschichte ist für mich aber ein anderer: Erstens würde es mir als Hotelmitarbeiter NIEMALS IM LEBEN einfallen, einen Hotelgast NACHTS AUF DER STRASSE STEHENZULASSEN, der unverschuldet zu spät kommt. So viel zu gelebten Unternehmenswerten und schönen Hotelbroschüren. Werte und so. Und zweitens hat in diesem Fall die Digitalisierung meinen Arsch gerettet. Smartphone raus, Online-Buchung, zack. Sonst hätte ich entweder im McDonald’s oder der Bahnhofsmission schlafen müssen.

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