New Work

Worauf hoffst du?

Bild eines Sonnenaufgangs

In letzter Zeit höre und lese ich immer wieder von „Narrativen“. Wir bräuchten „Narrative“ für die Gestaltung unserer Zukunft – wirtschaftlich, politisch, sozial. Auf Deutsch: Wir sollten Ideen positive Ideen entwickeln, wohin die Reise geht, was wir uns erhoffen und erträumen: wirtschaftlich, politisch, sozial.

Können wir das überhaupt? Haben wir die Kraft dafür? Ich weiß es nicht. Betrachten wir als Beispiel die Politik. Die SPD „definiert ihre Programmatik meistens ex negativo“, wie Felix Dachsel in der ZEIT schreibt: „gegen Befristungen, gegen Leiharbeit, gegen hohe Manager-Boni, gegen Lohndumping. [..] Über das große Bild, die Zukunft der Arbeit, spricht sie kaum.“ Die AfD zündelt mit Angst und Rassismus. Die CDU hat und zeigt überhaupt keine Affekte, sondern geriert sich als blutleerer Verwalter des Heute ohne Idee für ein Morgen.

Und die WIrtschaft? Wo sind die Unternehmer, die öffentlichkeitswirksam für eine Bildungsoffensive eintreten, für eine Revolution im Denken, für das Eingeständnis, dass wir „Hochtechnologie“ neu denken müssen: vernetzt, kreativ, auch offen über ehemalige Konkurrenten hinweg. Weil wir sonst bald weg vom Fenster sind und vielleicht noch mit unserer dualen Ausbildung winken (um die uns die Welt zurecht beneidet).

Wir brauchen in unserer Gesellschaft tatsächlich ein neues Narrativ, aber dies wäre mehr als eine schlüssige „Erzählung“. Eine Erzählung, eine Idee trägt nur soweit wie das positive Gefühl in ihr: Hoffnung, Begeisterung, Freude, gemeinsamer Erfolg und so weiter. Das wird im nüchternen Ingenieurland Detuschland oft übersehen.

Wenn ich Vorträge halte über die Zukunft der Arbeit, spreche ich damit auch über die persönliche Zukunft der Teilnehmer. Ich verwende Worte wie „Sinn“, „Sehnsucht“, „Inspiration“. Wir – und damit meine ich alle, die mit Menschen an einer gemeinsamen (Arbeits-)Zukunft bauen – müssen diese Menschen emotional berühren, oder besser noch: ihnen Gelegenheit geben, sich emotional auf ihre Zukunft einzulassen. Wir müssen Räume für Gespräch und Inspiration schaffen.

Niemand mag Veränderung, wenn er mit ihr Schmerz, Angst oder Arbeitsplatzverlust verbindet. Wir brauchen Narrative, die Schmerz und Angst der Menschen nicht ignorieren, aber auch Hoffnung und Lust machen auf eine neue Zukunft. Sonst schauen wir als Gesellschaft bald sehr, sehr alt aus.

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